Sport und Karriere
Hockey wird zur Kontakt-Sportart

Hockey-Profis haben ein Problem. Sie kriegen nicht viel Geld und müssen sich neben dem Sport um ihre berufliche Karriere kümmern. Manche Clubs wissen damit umzugehen. Sie locken die Sportler mit Kontakten in die Wirtschaft. Warum die Netzwerk-Pflege immer wichtiger wird.

KÖLN. Für Stefan Seitz ist der Triumph zum Greifen nah. Am Sonntag spielt Rot-Weiss Köln (RW Köln) im Endspiel gegen den UHC Hamburg um die deutsche Feldhockey-Meisterschaft. Dabei sind die Kölner erst in diesem Jahr in die erste Liga aufgestiegen. Überraschend kommt der Durchmarsch nicht. Denn Seitz, ein Kölner Rechtsanwalt und RW-Vertrauter, hat mit einem einzigen Deal die gesamte Liga umgekrempelt. Ein Deal, der viel über die Hockeywelt in Deutschland verrät.

Beim Shooting-Star unter den Hockey-Clubs sind seit Sommer 2007 mindestens fünf der weltbesten Spieler aktiv, Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft, die 2006 Weltmeister und 2008 Olympiasieger wurden. "Nach dem WM-Titel 2006 haben wir beschlossen, etwas zu unternehmen", sagt Anwalt Seitz, Initiator des Kölner Aufstiegs und selbst ehemaliger Bundesligaspieler.

Doch wie lockt man fünf Weltmeister in die zweite Liga? Seitz bekam sie, indem er den Spielern das bot, was der Sport ihnen nicht geben kann: eine Absicherung für die Zukunft. Er verschaffte jedem von ihnen einen einflussreichen Paten aus der Wirtschaft, einen bezahlten Praktikumsplatz und Unterstützung beim Studium an der Universität.

Die nötigen Kontakte hatte Seitz durch seine Kanzlei und andere ehemalige Kölner Spieler. Er machte zur Bedingung, dass alle fünf ausgewählten Spieler zusagen mussten: Christopher Zeller, sein Bruder Philipp, die Brüder Timo und Benjamin Weß sowie Tibor Weißenborn. Kurz darauf unterschrieben auch die Nationalspieler Max Weinhold und Tobias Hauke bei Köln, mit ähnlichen Konditionen. Angeblich floss kein Geld, die Praktikumsvergütung liege auf dem üblichen Level. Die Rechnung ging auf: Nach dem Aufstieg in die erste Liga holte sich das Team auf Anhieb den Titel in der Halle und ist nun Meisterschaftsfavorit auf dem Feld.

Im Hockey sind solche Arrangements nichts Ungewöhnliches, sagt Stephan Abel, Präsident des Deutschen Hockey-Bundes (DHB). Für ihren sportlichen Einsatz bekommen die Spieler oft keinen Cent. Zwar sind die deutschen Hockeyspieler bei internationalen Turnieren oft erfolgreicher als die Fußballer. Dabei sind Hockeyvereine meist gemeinnützig und die Spieler keine bezahlten Profis. Weil Hockey zudem kein Massensport ist, fließt kaum Geld durch Sponsoring oder Werbeverträge. Die Spieler müssen sich neben dem Sport eine berufliche Karriere aufbauen. "Deswegen erfordert Hockey viel soziales Engagement und Einsatz", sagt Abel. "Das verbindet Spieler und Ehemalige enorm."

Der Zugang zur Hockey-Familie bedeutet daher auch Zugang zu wertvollen Kontakten, häufig zu Anwälten, Geschäftsleuten oder Medizinern. "Hockey ist ein Sport, der von einkommensstarken Schichten ausgeübt wird", sagt Abel. "Das Studium ist dort Teil des Lebensplans." Er schätzt, dass 90 Prozent der aktiven und ehemaligen Spieler einen Hochschulabschluss haben oder anstreben. Das erleichtere den Aufbau von Netzwerken.

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