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Sportverbände kämpfen um ihre Glaubwürdigkeit

Die deutschen Sitzensportverbände kämpfen im sich ausweitenden Dopingskandal um ihre Glaubwürdigkeit. Ein gerade verabschiedeter 10-Punkte-Katalog soll helfen, den Dopingsumpf endlich trocken zu legen.

Der Dopingsumpf im Radsport veranlasst immer mehr Verantwortliche aus anderen Sportarten zum Handeln. Die deutschen Spitzensportverbände wollen im Kampf gegen die Verwendung verbotener Substanzen mit einer Ausdehnung der Kontrollen ihre Glaubwürdigkeitskrise überwinden. Beim ersten Anti-Doping-Workshop in Hamburg sprachen sie sich einstimmig für einen 10-Punkte-Katalog aus, mit dem das Netz um Dopingsünder deutlich enger geknüpft werden soll.

So wird ein nationaler Testpool für 1 800 A-Kader- und Nationalmannschaftsathleten geschaffen, der ins Zentrum der Kontrollen rücken soll. Für die darin zusammengefassten Sportler gelten härtere Bedingungen wie beispielsweise kürzere Abmeldefristen. "Intelligentere Kontrollen" lautet die Devise. Weitere rund 7 000 Athleten gehören zum sogenannten allgemeinen Testpool.

Zugleich wurde der Vorschlag des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb), einen Sportärzte-Pool aufzubauen, unterstützt. Mittelfristig sollen nur noch Verbandsärzte mit "Dosb-Lizenz" zugelassen werden, die zudem eine rechtlich abgesicherte Antidoping-Erklärung abgeben müssen. Diese Erklärung ist auch von Betreuern, Trainern und Physiotherapeuten zu unterzeichnen.

"Die Verbände stellen sich geschlossen der Glaubwürdigkeitskrise des Spitzensports. Die Tagung hat gezeigt, dass sie entschlossen sind, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen", sagte Dosb-Präsident Thomas Bach. Man wehre sich aber gegen einen Generalverdacht gegenüber allen Sportlern, Sportarten und Verbänden, sagte Schwimm-Präsidentin Christa Thiel als Sprecherin der 60 Spitzenverbände.

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) soll künftig vermehrt durch so genannte Zielkontrollen gegen potenzielle Täter vor allem außerhalb der Wettkampfzeiten vorgehen und die Zahl ihre Tests auf das Ausdauerdopingmittel Epo sowie Wachstumshormone erweitern. Bundesländer und Sponsoren wurden aufgerufen, sich an den deutlich höheren Kosten zu beteiligen.

Spitz: "Wenn wir mehr Geld hätten, könnten wir auch mehr machen"

Bislang sind nur Bund und Dosb die Haupt-Geldgeber der mit jährlich 1,8 Mill. Euro chronisch unterfinanzierten Nada. Welche Summe die Nada für die neuen Maßnahmen benötigt, wollte Sprecherin Ulrike Spitz nicht beziffern: "Man kann aber sagen, wenn wir deutlich mehr Geld hätten, könnten wir auch deutlich mehr machen."

Der Vorschlag von Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop, einen Teil der vom Bundesinnenministerium für die Verbände bereitgestellten Mittel von jährlich 150 Mill. Euro an die Nada umzuleiten, fand indes keine Zustimmung. "Es kann ja nicht sein, dass ein weniger von Doping bedrohter Verband für andere stärker bedrohte Verbände mitzahlt", erklärte Thiel.

Prokop: "Chance vertan"

Prokop, der ansonsten die Beschlüsse der Konferenz in vollem Umfang begrüßte, wertete die fehlende Bereitschaft der anderen Verbände zur Mitfinanzierung der Nada als vertane Chance. "Wir hätten mit leuchtendem Beispiel vorangehen können. Doch diese Chance ist vertan worden."

Zudem wurde in Hamburg über 40 so genannte "Missed Tests"- verpasste Trainingsdoping-Kontrollen - aus dem vergangenen Jahr berichtet, deren Aufklärung bislang noch offen war. In 13 Fällen wurden keine Verstöße der Athleten gegen ihre Meldepflichten festgestellt, 14 der Fälle wurden sanktioniert, bei den restlichen 13 ist die Überprüfung noch nicht beendet. Weitere 161 Vorgänge aus dem Vorjahr, die aus Sicht der Nada durch Nachtests 2006 noch abgearbeitet wurden, sollen zeitnah zur Überprüfung an die Verbände weitergeleitet werden.

Am 17. August wollen sich die Spitzenverbände in Frankfurt/Main erneut bei einem Workshop mit dem Thema Anti-Doping beschäftigen, die nächste Konferenz findet im Dezember in Hamburg statt.

© SID

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