Sportrecht
Sponsoren fordern klare Spielregeln

Martin Nolte ist ab dem Wintersemester der erste Professor in Deutschland, der sich ausschließlich dem Thema Sportrecht widmet. Möglich macht das die Deutsche Telekom: Sie stiftet in Kiel die erste Professur für dieses Fachgebiet - nicht ganz uneigennützig.

KÖLN. An manchen Tagen ist Martin Nolte kaum wiederzuerkennen. Die Krawatte hat der Rechtsprofessor gegen eine Läuferkluft getauscht. Der Jurist jagt durch dichte Dornenwälder, durchwatet matschige Bäche, krabbelt Böschungen hoch mit einer reißfesten Karte im Mund. Für einen gehetzten Blick auf den Kompass stoppt der Mann, dann rennt er weiter, dem nächsten Posten entgegen.

Kämpfen "bis man vor lauter Milchsäure nur noch Sterne sieht und bei den Wildschweinen im Dickicht liegt" - das ist der Privat- und Sportsmann Nolte, ein passionierter Orientierungsläufer mit einigen deutschen Meisterschaften im Gepäck. Beruflich setzt der 42-Jährige in diesen Tagen ebenfalls ein Ausrufezeichen: Er ist ab dem Wintersemester der erste Professor in Deutschland, der sich ausschließlich dem Thema Sportrecht widmet.

Die Premiere ist eine Co-Produktion der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die die neue Stelle schafft, und der Deutschen Telekom als Geldgeber. Die Telekom zahlt für die Professur zunächst drei Jahre lang. Sie ist eine W3-Stelle - das Äquivalent zu einer früheren C4-Professur - und wird angesiedelt am Institut für Sport und Sportwissenschaften.

An Betätigungsfeldern wird es nicht mangeln

"Akademisch steckt das Sportrecht noch immer in den Kinderschuhen", sagt Stephan Althoff, Sponsoring-Chef der Deutschen Telekom. Der Konzern, der nach Schätzungen rund 100 Mio. Euro ins Sportsponsoring investiert, hält die Stiftungs-Professur nach Althoffs Worten für eine "gute Arrondierung" des Konzernsponsorings. Gerade aufgrund der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports sei der Rat der Juristen zunehmend gefragt. "Das Sport-Business boomt, aber es gibt noch zu viele rechtliche Grauzonen", sagt Althoff. "Es ergibt Sinn, das einmal an einer Universität zu bündeln."

Künftig soll der frühere Privatdozent Nolte in Kiel gesellschaftliche, wirtschaftliche und organisatorische Aspekte des Sportrechts erforschen und lehren. Hierzu gehören Korruption, Gewalt und Doping des Sports und seine Finanzierung. Intensiv beschäftigen wird Nolte auch, wie sich internationale Regelwerke mit nationalen oder europäischen Vorgaben in Einklang bringen lassen. "Ich will auf Schwachstellen hinweisen und den Finger in die Wunde legen. Die Selbstregulierungskräfte des Sports stoßen an ihre Grenzen", sagt er.

An Betätigungsfeldern wird es nicht mangeln: Die Großsponsoren, die sich in Deutschland in der Organisation S 20 zusammengeschlossen haben, beklagen seit langem die oft unklare Situation in Fragen der Compliance oder des Medienrechts.

Offene Fragen gibt es zuhauf: "Wen darf ich noch zu einem Fußballspiel einladen, ohne mich strafbar zu machen? Wann können Profisportverträge gekündigt werden? Wie steht die Sportgerichtsbarkeit zur Zivilgerichtsbarkeit? Wer hat wo welche Rechte im Internet?" Althoff, der zugleich Finanzvorstand der S20 ist, kann sich vorstellen, dass der Stiftungsprofessor in solchen Fragen künftig auch im Auftrag der Sponsorenvereinigung S20 tätig wird. "Es wird freilich keine inhaltlichen Vorgaben geben, alles andere wäre töricht", sagt Althoff.

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