Stierhatz
Hörner voran in Pamplona

Die Bullenjagd durch die Gassen der spanischen Stadt ist für die Läufer diesmal recht glimpflich verlaufen. Nur einer wurde durch einen Hornstoß schwer verletzt. Tierschützer protestieren gegen das brutale Ritual.
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PamplonaMehrere Läufer sind bei der spektakulären Stierhatz in Pamplona am Wochenende von Kampfstieren überrannt worden. Trotz der waghalsigen Aktionen der Läufer verletzten sich nur wenige. Nach Krankenhausangaben erlitten bei den ersten zwei Läufen nur 16 Menschen meist leichte Blessuren wie Prellungen oder Schürfwunden. Ein 73-jähriger Läufer wurde jedoch durch einen Hornstoß schwer verletzt und musste in einem Krankenhaus operiert werden. Nach Angaben der Ärzte ist er auf dem Weg der Besserung. Bei den „sanfermines“ werden vom 7. bis zum 14. Juli täglich um acht Uhr sechs Kampfstiere und mehrere zahme Leitochsen durch die Altstadt Pamplonas bis in die Arena gejagt, wo sie abends von Toreros getötet werden.

In den engen Gassen kam es immer wieder zu gefährlichen Zusammenstößen zwischen Kampfstieren und Läufern („mozos“), die vor und hinter den Tieren rennen und zu ihrem Schutz nur eine zusammengerollte Zeitung haben. Einer der rot-weiß gekleideten mozos wurde am Sonntag von einem 640 Kilogramm schweren rotbraunen Stier mit dem linken Horn am Hals erfasst und durch die Luft geworfen. Der Mann hatte enormes Glück, denn das spitze Horn durchbohrte nicht seinen Halsschlagader.

Bei der ersten Stierhatz am Samstag hatte ein Bulle einen Läufer mit dem rechten Horn am Halstuch erfasst und ihn mehr als zehn Meter über den Boden bis zum Eingang der Arena geschleift. Der Mann blieb jedoch wie durch ein Wunder unverletzt.

Das zweite Stiertreiben am Sonntag war besonders gefährlich und spektakulär. Ein Stier trennte sich rasch von den restlichen Tieren und verbreitete Panik unter den tausenden Läufern. Dutzende wurden von dem Bullen aus dem berühmten Kampfstierzucht Miura überrannt. Sanitäter waren erstaunt, dass sich niemand schwere Verletzungen zugezogen habe.

Wie jedes Jahr finden sich Hunderttausende Menschen, darunter auch viele Ausländer, in Pamplona ein, um das Spektakel mitzuerleben. Doch nicht alle freuen sich auf die „Fiesta“. Tierschützer haben auch in diesem Jahr die blutige Hatz kritisiert.

Ein Gruppe von Aktivisten der Tierschutzvereine Peta und AnimaNaturalis schrieben auf einer Straße in Pamplona den Protest-Slogan „Stopp bull fights“ (Beendet die Stierkämpfe!). Nach ihrer Ansicht werden die Stiere nicht nur in der Arena auf grausame Weise getötet, sondern zuvor in den Straßen der Stadt unnötig gequält.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Jedes Jahr werden alleine in Spanien über 40.000 Stiere getötet. Die Stierkampf-Industrie erhält schätzungsweise etwa 530 Millionen Euro an Subventionen von der EU. Ohne diese Mittel könnte das blutige Spektakel gar nicht stattfinden. Noch bevor die Tiere die Arena betreten, werden sie mit Elektroschocks traktiert. Oft verabreicht man ihnen Abführmittel und in ihre Augen wird Vaseline gerieben, um ihre Sehkraft zu trüben. In der Arena angekommen werden sie mit Lanzen und Speeren verletzt und gequält. Nach der grausamen Prozedur versucht schließlich der „Matador“, die geschwächten und panischen Tiere mit seinem Schwert zu töten. Oft genug verfehlt der Matador das Rückenmark und das Sterben dauert qualvoll lange.

  • Diese Tierquälerei gehört endlich abgeschafft!

  • Was soll man jetzt da kommentieren ?

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