Tennis French Open
Dawydenkos langer Weg ins Rampenlicht

Fast jede Woche ist Nikolaj Dawydenko auf irgendeinem Tennisplatz zu Gast, doch so richtig Notiz haben von dem russischen Vielspieler nur Experten genommen. Das könnte sich dank des Siegeszuges in Paris nun ändern.

Nikolaj Dawydenko ist eigentlich immer da. Nur zu sehen ist er nie. Der Russe ist zwar der Vielspieler schlechthin auf der Tennistour; jede Woche ist er an einem anderen Ort, schlägt bei einem anderen Turnier auf. Doch derart unspektakulär und unauffällig schleicht derzeit kein anderer Top-Ten-Spieler über die Plätze.

"Für mich ist es einfach wichtig, Spaß am Tennis zu haben. Ich mag es nicht, Druck von außen zu bekomen. Ich will nicht darüber nachdenken, ob ich noch die Nummer zehn bin oder nicht", sagt Dawydenko. Er wolle einfach versuchen, jedes Match zu genießen.

Fast jede Woche im Einsatz

Gelegenheiten dazu hat er genug: Seit dem 1. Januar ist Hobbyfischer Dawydenko 2007 schon wieder jede einzelne Woche im Turniereinsatz gewesen, und da der aktuelle Weltranglistenvierte meist auch weit kommt, macht er eben nicht mehr viele andere Dinge neben dem Tennis spielen. Am Freitag fordert er im Halbfinale der French Open den weltbesten Profi Roger Federer aus der Schweiz.

"Er lässt dir keine Zeit zum Atmen", sagte der Argentinier Guillermo Canas nach seiner Viertelfinalniederlage in Paris gegen Dawydenko. Der Mann mit dem schütteren blonden Haar läuft und läuft, Tommy Haas hat ihn deshalb mal als russische Ballmaschine bezeichnet.

Antrag auf deutschen Pass wurde abgelehnt

Dabei wären die beiden fast Landsleute geworden. Dawydenko lebt abwechselnd in Monaco und seit gut zehn Jahren schon bei seinem Bruder und Trainer Eduard in Salmtal bei Trier und spricht fließend deutsch. Sein Antrag auf einen deutschen Pass wurde vor Jahren aber abgelehnt. Vor kurzem hat er nun einen Antrag auf Einbürgerung in Österreich gestellt. Er möchte sich im Wörthersee-Raum niederlassen. "Die Mentalität gefällt mir", sagt Dawydenko.

Ohnehin habe er sich lange fast schon staatenlos gefühlt. Die Geschichte ist etwas kompliziert: "Ich wurde in der Ukraine geboren, aber es war nicht immer die Ukraine. Es war Sewerodonezk. Danach bin ich nach Russland, nach Wolgograd gegangen. Aber ich hatte nicht die russische Staatsbürgerschaft. Auch die ukrainische nicht. Ich hatte zwar einen Pass, aber darin stand einfach nur: Kein russischer Staatsbürger. Das wurde ich dann erst mit 16 oder 17", erzählt Dawydenko. So richtig zu Hause fühlt er sich offenbar ohnehin nur auf dem Tennisplatz.

© SID

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