Tennis Wimbledon
Müller im Eiltempo eine Runde weiter

Martina Müller hat in Wimbledon die zweite Runde erreicht. Die 24 Jährige setzte sich zum Auftakt gegen die Israelin Anna Smashnova 6:0 und 6:0 durch. Dennoch wird Müller im Fed-Cup-Spiel gegen Japan wohl fehlen.

Von den Damen des Deutschen Tennis Bundes hat einzig Martina Müller die zweite Runde bei den 121. All England Championships erreicht. Aber im wichtigen Fed-Cup-Spiel um den Aufstieg in die Weltgruppe (14./15. Juli) in Japan aber ist die beste Spielerin des Deutschen Tennis Bundes (DTB) nicht dabei. Auch nach ihrem glatten 6:0, 6:0-Erfolg über Anna Smashnova (Israel) sorgte der Zoff mit dem DTB für mehr Gesprächsstoff als die gute Leistung der 24-Jährigen. "Das ist schon schade, dass man immer wieder darüber sprechen muss", meinte Müller.

Auf Platz 34 der Weltrangliste hat sich die nur 1.65 Meter kleine Blondine bereits nach vorne gespielt. Nur 41 Minuten brauchte sie für ihre erste "Brille" auf der Profitour gegen die 31 Jahre alte Teilruheständlerin aus Israel. "Ich bin gut ins Spiel gekommen und habe nicht nachgelassen. Ich bin sehr zufrieden", sagte Müller. Ohne Vater/Coach Reinhardt ist sie in Wimbledon, stattdessen betreut sie Freund Florian. Die Polin Agniesza Radwanska ist die nächste Gegnerin, Juniorensiegerin in Wimbledon 2005. "Ich versuche, das Thema Fed-Cup in Wimbledon auszublenden", meint Müller, "auch wenn es schwer fällt."

Wie nötig ihr Einsatz im Match gegen die Asiatinnen sportlich wäre, zeigt die ansonsten verheerende Bilanz der deutschen Damen an der Church Road: Alle anderen sechs Spielerinnen blieben nach zum Teil ganz schwachen Leistungen bereits in der ersten Runde auf der Strecke. Die potenzielle Führungsspielerin Anna-Lena Grönefeld hat zudem weiterhin mit derartigen psychischen Problemen zu kämpfen, dass Teamchefin Barbara Rittner schon überlegt, sie überhaupt nicht nach Tokio mitzunehmen.

Müller: "Ich lasse mich nicht erpressen"

"Sportlich hätte ich sie natürlich gerne dabei", sagt Rittner, und Müller wiederholte auch in Wimbledon ihre grundsätzliche Bereitschaft zu spielen: "Ich würde sehr gerne, aber ich lasse mich nicht erpressen." So geht es in dem seit einem Jahr schwelenden Streit schon lange nicht mehr um den Sport. Es ist vielmehr ein Kampf um Eitelkeiten, Prinzipien und auch ein wenig Geld. Antrittsgeld würde der DTB nämlich nach einem Jahr Abstinenz auch nicht zahlen wollen, aber immerhin eine Siegprämie, irgendwo zwischen 3 000 und 5 000 Euro.

Die Fed-Cup-Partie gegen China 2006 hatte den Streit ausgelöst, als Martina Müller darauf beharrte, dass ihre Freundin Julia Schruff zum Team gehören solle. Das hatte Rittner abgelehnt, Müller blieb zuhause und wurde in der Folge aus dem A-Kader gestrichen. "Ich soll mich öffentlich für meine Absage entschuldigen, aber das sehe ich nicht so", meint Müller: "Ich spiele nicht um jeden Preis." Briefe wurden bereits gewechselt zwischen den Parteien, aber geeinigt wurde sich nicht.

Beide Seiten stehen sich unvereinbar gegenüber

"Dass sie sich öffentlich entschuldigen soll, ist Unsinn", sagt DTB-Sportdirektor Klaus Eberhardt. "Wir erwarten aber, dass Martina Müller auf Barbara Rittner zugeht und sagt, es täte ihr Leid, dass sie im letzten Jahr nicht mit nach China geflogen ist", fügte Eberhardt hinzu. "Ich sehe es so, dass Barbara Rittner den ersten Schritt machen muss", sagt Martina Müller. Und so stehen sich die zwei Parteien wie starrköpfige Streithansel gegenüber und riskieren einen wichtigen, möglichen sportlichen Erfolg für das deutsche Tennis.

© SID

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