Tischtennis National
Ovtcharov: "Verband muss sich sicher gewesen sein"

Der Deutsche Tischtennis-Bund hat Dimitrij Ovtcharov vom Doping-Verdacht freigesprochen. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst äußert sich der Europameister zum Freispruch.

Nach seinem Freispruch vom Doping-Verdacht äußert sich Dimitrij Ovtcharov im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst zur Entscheidung des Dttb und den Lehren, die er aus den vergangenen Wochen ziehen wird.

SID: "Dimitrij Ovtcharov, der Deutsche Tischtennis-Bund hat Sie vom Doping-Verdacht freigesprochen und wird nach Ihrer Anhörung und dem Abschluss des so genannten Ergebnismanagements kein Verfahren gegen Sie einleiten. Was fühlen Sie nach dem Freispruch?"

Dimitrij Ovtcharov: "Ich bin sehr glücklich und freue mich unheimlich. Meine Freude ist fast noch größer als der Schock, als ich vom positiven Ergebnis meiner Dopingkontrolle hörte."

SID: "Was bedeutet Ihnen die Dttb-Entscheidung für den Verzicht auf die Einleitung eines Verfahrens?"

Ovtcharov: Das ist für mich sehr wichtig. Je länger es gedauert hätte, desto mehr hätte ich meine Form verloren. Noch einen Monat länger, und manches andere wäre auch kaputt gegangen, meine Karriere zerstört gewesen. Umso dankbarer bin ich natürlich, dass an so vielen Stellen, besonders in den Labors in Köln und Dresden, sauber gearbeitet worden ist, wodurch meine Unschuld erwiesen werden konnte."

SID: "Sie hatten bereits nach Ihrer Anhörung Optimismus ausgestrahlt. Was machte Sie so zuversichtlich?"

Ovtcharov: "Die zusätzlichen Untersuchungen der Dopingkontrollen von vier weiteren deutschen Aktiven, die kurz nach meiner genommen wurden und in denen ebenfalls winzige Clenbuterol-Spuren gefunden wurden, obwohl das ursprüngliche Ergebnis negativ war. Außerdem belegte ja auch meine negative Haarprobe, in der das eigentlich gut nachweisbare Clenbuterol selbst für den fraglichen Zeitraum nicht mehr aufzufinden war, meine Unschuld."

SID: "Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass in Deutschland vorher noch kein Doping-Vorgang im Falle einer positiven A- und B-Probe ohne ein Verfahren eingestellt worden ist?"

Ovtcharov: "Ja, das habe ich auch gesagt bekommen. Aber das hat es ja im Grunde erst einmal noch schwieriger gemacht. Andererseits ist dadurch aber auch eines klar: Der Dttb hätte niemals so entschieden, wenn der Verband sich nicht wirklich zu 100 Prozent sicher gewesen wäre, dass ich unschuldig bin. Ohne diese Sicherheit wäre ein Freispruch sicher nicht möglich gewesen."

SID: "Der Dttb hat Sie freigesprochen, doch neben der Nationalen Anti Doping Agentur kann besonders auch noch die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada ein Veto gegen die Entscheidung des Verbandes einlegen. Fürchten Sie noch entsprechende Probleme?"

Ovtcharov: "Ich weiß nicht, wie ich das einschätzen muss, kann mir das aber eigentlich nicht vorstellen. Klar ist, dass der Verband keine Zweifel hatte. Die Wada müsste ja außerdem Aussagen von Experten wie Professor Wilhelm Schänzer, mit denen sie oft zusammenarbeitet und die in meinem Fall meine Position stützen, berücksichtigen, bevor ein Einspruch eingelegt wird. Unser Weltverband war ständig informiert, und der Dttb wird alles genauestens dokumentieren."

SID: "Wie beurteilen Sie als unmittelbar Beteiligter aus einer ansonsten noch nicht von Doping-Schlagzeilen betroffenen Sportart die Umkehr der Beweislast in Doping-Verfahren?"

Ovtcharov: "Das ist schwer zu sagen. Ich jedenfalls wusste bei der Bekanntgabe meines Kontrollergebnisses noch nicht mal, was Clenbuterol überhaupt ist. Es ist für die betroffenen Athleten natürlich schwer. Das System ist aber sicher auch so hart, weil es am Ende ja auch wirklich Dopingfälle sind. Ich halte es auf jeden Fall für ein Riesenproblem, dass Mittel auf der Dopingliste stehen, die durch ganz normale Mahlzeiten wie unsere in China in den Körper gelangen können, zumal Fleisch in seinen verschiedenden Formen für Leistungssportler ein wichtiger Ernährungsbestandteil ist."

SID: "Hatten Sie schon Zeit, sich über Lehren aus den Vorgängen der vergangenen Wochen Gedanken zu machen?"

Ovtcharov: "Eigentlich nicht. Ich hoffe zunächst einmal, dass ich schnell meinen Kopf wieder frei bekomme, mich von all den Gedanken der vergangenen Wochen lösen und zu meiner Form zurückfinden kann. Sicher weiß ich nach den schweren vier Wochen aber eines: Ich werde in China, wo ich ja oft bin, sicher kein einziges Stück Fleisch mehr essen."

© SID

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