Tischtennis WM
Boll fordert Asiens Übermacht heraus

Bei der heute in Zagreb beginnenden Tischtennis-WM muss sich Timo Boll einmal mehr mit den Ball-Artisten aus China auseinandersetzen. Der Europameister schätzt die Asiaten als "spielerisch nicht besser" ein.

Timo Boll trägt bei der Einzel-WM im Kampf gegen Chinas Vormachtstellung die Hoffnungen der Tischtennis-Welt. Bei den Titelkämpfen ab heute in Zagreb scheint der Weltranglistendritte aus Gönnern nach seinem EM-Triple vor rund sechs Wochen in Belgrad als Einziger die realistischsten Chancen zu haben, einen erneuten Durchmarsch der dominierenden Chinesen wie zuletzt 2005 in Schanghai verhindern zu können.

Der 26-Jährige, der den Angriff auf die Phalanx der Weltmeister aus dem Reich der Mitte als sein neues großes Ziel ausgegeben hat, strotzt jedenfalls vor Selbstvertrauen: "Besser und härter als seit der EM hätte ich nicht trainieren können, und ich weiß, dass die Chinesen spielerisch nicht besser sind als ich", beschreibt der Linkshänder im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) seine Ausgangsposition: "Ich bin gut drauf."

Noch keine WM-Medaille für Boll

Gleichwohl bemüht sich Boll, dem eine WM-Medaille im Einzel noch fehlt, vor der Rückkehr an die Stätte seiner ersten beiden EM-Triumphe von 2002 auch um Zurückhaltung: "Die WM ist ein anderes Kaliber als die EM. Ich weiß inzwischen, dass bei einer WM zum Sprung auf das Podium oder gar mehr nicht nur eine Top-Form, sondern auch der Faktor Glück gehört, und man normalerweise für eine Medaille gleich mehrere Chinesen schlagen muss. Deswegen warte ich auf meine Chance und hoffe, dass sie irgendwann kommt."

Einen WM-Titel, den ersten für den Dttb seit dem Doppel-Triumph von Jörg Roßkopf/Steffen Fetzner 1989 in Dortmund, will der Kölner aber auch nicht kategorisch ausschließen: "Wir waren bei der EM mit unserer ehrgeizigen Bescheidenheit sehr erfolgreich und halten diesen Kurs. Ein Titelgewinn dagegen ist ein Traum, der zu träumen aber zumindest erlaubt ist."

Zumal Boll und Christian Süß (Düsseldorf) in Kroatien zwei Jahre nach ihrer Finalteilnahme wieder zu den Top-Paarungen gehören. Bundestrainer Richard Prause sieht das deutsche Parade-Doppel als ein heißes Eisen: "Dass beide bei ihrem EM-Titelgewinn nicht an ihre Grenzen gehen mussten, lässt hoffen."

Ohne den "Boll-Faktor" indes liegt die Messlatte niedriger. "Die WM ist auch dann noch ein Erfolg, wenn unsere Aktiven ihre Weltranglisten- und Setzpositionen mehrheitlich bestätigen oder ein wenig überbieten können", erklärt Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig.

Diese Vorgabe bedeutet bei den Herren, wo Roßkopf (Gönnern), Bastian Steger (Frickenhausen), Süß und Jungstar Dimitrij Ovtcharov (Tündern) auch schon um die maximal zwei Olympia-Plätze hinter Boll konkurrieren, die Teilnahme an den Runden zwei und drei. Eine Überraschung ist aus diesem Kreis besonders dem 18 Jahre alten EM-Dritten Ovtcharov zuzutrauen.

In den von Asien dominierten Damen-Konkurrenzen hofft Bundestrainer Jörg Bitzigeio auf eine Achtelfinal-Teilnahme. Als Kandidatinnen kommen dafür vor allem die gebürtige Chinesin Wu Jiaduo, die erstmals bei einer internationalen Meisterschaft als deutsche Nummer eins antritt, sowie Ex-Europameisterin Nicole Struse (beide Kroppach) oder auch Elke Wosik (Busenbach) in Frage.

© SID

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