Tischtennis WM
Boll führt Tischtennis-Herren ins Halbfinale

Bei der Tischtennis-WM in Bremen hat das deutsche Herren-Team um Timo Boll den Einzug ins Halbfinale geschafft und damit eine Medaille sicher. Nach einem 3:0-Erfolg gegen Russland wartet China in der Vorschlussrunde.

Für die deutschen Tischtennis-Herren läuft im Mannschaftswettbewerb bei der WM in Bremen weiter alles nach Plan. Die WM-Gastgeber mit Punkte-Garant Timo Boll und dem überragenden Doppel-Vizeweltmeister Christian Süß fertigten das russische Team im Viertelfinale vor 10 000 begeisterten Zuschauern in nur knapp 90 Minuten mit 3:0 ab und haben durch den Sprung in die Vorschlussrunde Bronze bereits sicher. Im Halbfinale wartet mit Titelverteidiger China allerdings der Topfavorit auf den WM-Titel. Bereits jetzt haben die Herren des Deutschen Tischtennis-Bundes (Dttb) Geschichte geschrieben. Nach Silber 2004 in Katar werden Boll und Co. erstmals in der 80-jährigen WM-Historie bei zwei Titelkämpfen hintereinander Edelmetall gewinnen.

Geschlossene Mannschaftsleistung führt zum Erfolg

"Wir sind sehr glücklich, dass wir die Medaille als unser großes Ziel erreicht haben. Bei der großen Dichte in der Weltspitze ist das keine Selbstverständlichkeit, aber wir haben uns als eine sehr starke Mannschaft präsentiert und die Medaille verdient. Im Halbfinale wird es für uns aber sehr viel schwerer, aber wir wollen natürlich versuchen, das Unmögliche möglich zu machen", kommentierte der im WM-Verlauf noch ungeschlagene Weltcupsieger Boll (Gönnern) nach seinem Sieg Nummer acht den großen Erfolg schon mit Blick auf die Neuauflage des WM-Endspiels von 2004 in Doha gegen China (3:0 gegen Frankreich).

Imponierend am Einzug ins vorgezogene "Traumfinale" war die Mannschafts-Leistung auf hohem Niveau. Denn ausnahmsweise in einer wichtigen Begegnung musste Boll im zweiten Einzel gegen Fedor Kuzmin (3:1) vom Bundesligisten TTF Ochsenhausen nur einen Punkt zum Erfolg beisteuern, weil auch seine Kollegen Süß und Bastian Steger überzeugten.

Süß rechtfertigt Stammplatz

Von großer Bedeutung war dabei schon im Auftakteinzel der Zähler von Süß: Als Nummer 56 der Weltrangliste bot der Düsseldorfer beim 3:1 gegen Russlands 27 Positionen höher eingestuften Spitzenspieler Smirnow eine famose Vorstellung und rechtfertigte durch das "Break" seine Stellung als Stammspieler Nummer zwei hinter Boll einmal mehr vollkommen. Mit der 2:0-Führung im Rücken hatte Steger an Nummer drei trotz des hohen Erwartungsdrucks gegen seinen international nur zweitklassigen Gegner Kirill Skatschow nur etwas Mühe (3:2), unter dem mitreißenden Jubel der faszinierten Fans den entscheidenden Zähler einzufahren.

Die sichere Medaille in Bremen bedeutet für den Dttb den insgesamt siebten WM-Podiumsplatz im "Königswettbewerb". Zuvor hatten Dttb-Teams in Herren-Konkurrenzen vor 2004 auch 1969 in München Silber sowie 1963, 1967, 1993 und 1997 Bronze gewonnen.

Dttb-Präsident Thomas Weikert war über den Gewinn der Medaille spürbar erleichtert. "Wir hatten uns natürlich erhofft, dass wir auf dem Treppchen stehen werden. Doch sicher konnte man nicht sein. Es wäre für das ganze Turnier schon schade gewesen, wenn wir an den letzten beiden Tagen nicht mehr dabei gewesen wären. Jetzt aber haben wir unser Soll erfüllt, doch vielleicht schaffen wir ja noch mehr", sagte der Verbands-Chef.

Offensiv gegen verwundbare Chinesen

Mit Bronze wollen will sich das Team von Bundestrainer Dirk Schimmelpfennig indes nicht begüngen. Mit der Medaille in der Tasche und hochmotiviert wollen Boll und Co. die "chinesische Mauer" einreißen. "Wir werden eine Aufstellung wählen, die China angreifen soll", verriet Schimmelpfennig. Die offensiven Gedankenspiele basieren auf den Erkenntnissen aus Chinas 3:0-Viertelfinalerfolg gegen Frankreich.

"Das Ergebnis sieht klar aus, aber bei Matchbällen für Frankreich war zu sehen, dass auch die Chinesen verwundbar sind, wenn sie auf Widerstand stoßen", erklärte Schimmelpfennig. Herren-Bundestrainer Richard Prause verdeutlichte die Absichten der Dttb-Coaches durch einen Vergleich mit "einem Schwergewichtsboxer, der in der dritten Runde den K.o.-Sieg will und danach immer nervöser und anfälliger wird". Zurückhaltender äußerte sich Spitzenspieler Boll: "China im Halbfinale ist zwar Lospech gewesen, aber noch ist das Spiel ja nicht verloren."

Bei den Damen stehen sich am Sonntag (16.00 Uhr) wie 2004 WM-Champion China und Hongkong gegenüber. Das zweite Halbfinale bestreiten bei den Herren Südkorea und Hongkong.

© SID

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