Turnen WM
Deutsche Turner bleiben ohne WM-Medaille

Ohne den verletzen Europameister Fabian Hambüchen haben die deutschen Turner bei der WM in London einen Podiumsplatz verpasst. Matthias Fahrig belegte im Spring immerhin Rang vier.

Kein Hambüchen, keine Medaillen, nur ein undankbarer vierter Platz - ohne den verletzten deutschen Europameister flogen die deutschen Kunstturner bei den Welttitelkämpfen in London in hohem Bogen aus der Champions League der Gerätartisten. "So sehen wir eben aus, wenn wir nackig sind", sagte Männer-Cheftrainer Andreas Hirsch und brachte das aktuelle Dilemma auf den Punkt.

Nur Matthias Fahrig hätte beinahe doch noch für ein versöhnliches Ende gesorgt. 24 Stunden nach Rang sechs am Boden wurde der Hallenser Vierter beim Sprung mit 15,850 Zählern und hätte bei seiner ersten WM fast sein erstes Edelmetall gewonnen. "Was uns bleibt, ist eine Menge Arbeit", bilanzierte Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB).

Keine Enttäuschung über Rang vier

"Ein vierter Platz ist immer extrem blöd, aber ich bin gar nicht traurig darüber. Diese Wahnsinnsatmosphäre motiviert mich für Olympia 2012 in dieser Arena. Und dann will auch auch noch besser abschneiden", erklärte der 23-Jährige, der mit einem ersten Sprung, dem sogenannten Dragulescu, nicht ganz zufrieden war. Namensgeber Marian aus Rumänien gewann mit 16,575 Punkten vor seinem Landsmann Flavius Koczi (16,300) und dem Russen Anton Golotsutskow (16,287).

Der mit einem Bänderriss im linken Fuß lahmgelegte Hambüchen humpelte nur mühsam auf Krücken durch die designierte Olympia-Arena, schloss Fahrig für dessen vierten Platz innig in die Arme, konnte aber an der Themse nicht mehr als moralische Aufbauarbeit leisten.

Fahrig der Gewinner im deutschen Team

Fahrig war somit der einzige deutsche Gewinner dieser Weltmeisterschaften. "Zweimal unter den besten Acht der Welt, das ist doch eine Riesensache", meinte der lebenslustige Halb-Kubaner, der aus disziplinarischen Gründen weder für die Heim-WM 2007 in Stuttgart noch für Olympia 2008 in Peking berücksichtigt worden war.

"Die Vergangenheit ist abgehakt, wir blicken nach vorn", erklärte dazu Chefcoach Hirsch, der den sprunggewaltigen Spezialisten auch als Mehrkämpfer wieder aufbauen will und ihn deshalb schon in London für den Swiss-Cup in Zürich und für das Finale der Champions-Trophy am 15. November in Stuttgart nominierte.

Nguyen will mehr Gas geben

Fahrig soll dort Deutschlands augenblickliche Nummer zwei Marcel Nguyen unter Druck setzen. Der eher phlegmatische Unterhachinger war als Zwölftplatzierter in London keine Enttäuschung, doch der Deutsch-Vietnamese schöpft seine Möglichkeiten immer noch nicht aus. "Ich werde im Training noch mehr ranklotzen", versprach der 22-Jährige immerhin artig.

Vor weit größeren Problemen als Hirsch steht hingegen seine Trainerkollegin Ulla Koch. Ihre einzige Mehrkämpferin Kim Bui kam als 23. nicht über gehobenes Mittelmaß hinaus, ein Comeback der an der Schulter verletzten und mittlerweile 34 Jahre alten Olympia-Zweiten Oksana Chusovitina ist mehr als fraglich. Die Wahl-Kölnerin war zwar in London dabei, konnte dort aber nur die Athletinnen aus ihrer alten Heimat Usbekistan betreuen.

Von ihrer Bestform ein gutes Stück entfernt war am Stufenbarren wegen Trainingsrückstands auch die EM-Dritte Anja Brinker aus Herkenrath. Die erste Hürde auf dem olympischen Weg zurück nach London 2012 sollten die deutschen Turnerinnen allerdings problemlos meistern. Bei den Welttitelkämpfen vom 18. bis 24. Oktober 2010 in Rotterdam qualifizieren sich die 24 besten Riegen für die WM 2011 in Tokio.

Mit drei Titeln durch Wang Guanyin am Barren, Deng Linlin am Schwebebalken und Zou Kai, der am Reck Hambüchens Nachfolger wurde, stellte China die erfolgreichsten Athleten des WM-Abschlusstages. Am Boden siegte Lokalmatadorin Elizabeth Tweddle aus Großbritannien.

© SID

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