Understatement und Bescheidenheit sind die Schlüsselwörter der Bewerbung
Streiks gegen Olympia

Ganz Paris steht hinter der Bewerbung für 2012, doch zum Besuch der IOC-Delegation demonstrieren die Gewerkschaften.

PARIS. Vor knapp zwei Jahren haben bei den Franzosen noch eindeutig Skepsis und Desinteresse überwogen. Der neu gewählte ambitionierte Bürgermeister Bertrand Delanoë hatte gerade bekannt gegeben, dass sich die 12-Millionen-Stadt erneut um die Olympischen Spiele bewerben werde und rief damit nur ein großes Gähnen hervor, vor allem bei den Parisern. Viele befürchteten eine neue Schlappe, nachdem die Stadt beim vorigen Mal gegen Peking verloren hatte. Entsprechend mager fiel deshalb zunächst auch die Berichterstattung in den Medien aus.

Seitdem sich allerdings Paris in der engeren Auswahl des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) befindet und sogar Großbritanniens Queen in einem Nebensatz Paris als Favorit bezeichnet hat, erhitzen sich die französischen Gemüter und fiebern der Entscheidung am 6. Juli in Singapur entgegen. Dann bestimmt die Vollversammlung des IOC den Austragungsort. 85 Prozent befürworten die Kandidatur laut einer IOC-Umfrage, nur die Spanier in Madrid sind mit 91 Prozent offenbar noch enthusiastischer.

Die nächste Hürde ist der Besuch der IOC-Auswahlkommission, die in den kommenden drei Tagen die Stadt inspizieren wird. Ausgerechnet für den zweiten Tag des Besuchs haben die Gewerkschaften Massendemonstrationen, Streiks im Öffentlichen Nahverkehr und Proteste rund um die Uhr angekündigt. Sie kämpfen gegen die Abschaffung der 35-Stunden-Woche und für höhere Gehälter. So etwas mögen die Damen und Herren vom IOC bekanntlich überhaupt nicht. Das Pariser Olympia-Team befürchtet nun, dass der Aktionstag der Gewerkschaften die Chancen für Paris deutlich schmälern könnte. Dennoch, der Optimismus überwiegt: "Wir haben uns Olympia wirklich verdient. Wir werden gewinnen", verkündet Bürgermeister Delanoë.

Nachdem die Stadt, die die Spiele bereits zweimal, 1900 und 1924, ausgerichtet hat, bei den letzten beiden Bewerbungen 1992 und 2008 gescheitert war, hat der sozialistische Bürgermeister die Strategie radikal verändert: Keine Polemik mehr gegen die anderen Bewerberstädte, keine unseriöse luftige Finanzierung.

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