Vage Hinweise auf mögliche Krawalle in Slowenien reichten nicht für ein Reiseverbot
Freie Fahrt für Hooligans

Die Bochumer Polizei konnte am Dienstag einen Erfolg verkünden: Die Beamten hätten Ermittlungen gegen einen 23 Jahre alten Hooligan aufgenommen, der in die Ausschreitungen beim Fußball-Länderspiel in Slowenien verwickelt sei. Wie die Polizei den Mann erkannt hatte? "Wir haben ihn auf einem Foto in der Zeitung gesehen."

BERLIN. Die Aufarbeitung der Vorfälle vom Wochenende, als etwa 250 deutsche Hooligans in Celje randalierten und sich mit der Polizei prügelten, bedarf etwas Improvisation. Denn szenekundige Polizeibeamte durften nicht nach Slowenien einreisen. "Wir haben im Vorfeld nur Einschätzungen abgeliefert", heißt es in hohen Polizeikreisen. "Aber wir wurden von den Kollegen vor Ort nicht eingeladen." Also durften deutsche Hooligan-Experten nicht mitreisen und konnten im Ausland auch nicht aktiv werden.

Vor gut zwei Wochen ist ein Schreiben der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), die eine Datei "Gewalttäter Sport" führt, an die Behörden in Slowenien geschickt worden. Deren Innenministerium hat die Warnung mittlerweile bestätigt. Die deutschen Landesinformationsstellen Sporteinsätze hatten vor dem Spiel von "vagen Hinweisen" gesprochen, die allerdings nicht für Meldeauflagen und somit für ein Reiseverbot für deutsche Hooligans gereicht hätten.

Meldeauflagen hatte die Polizei etwa bei der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal ausgesprochen. Demnach mussten sich allein in Berlin sieben registrierte Hooligans während der Spiele auf ihrem Revier in Berlin melden. Bei 46 anderen Hooligans wurde eine "Gefährderansprache" durchgeführt - das heißt, sie wurden persönlich vor Gesetzesverstößen gewarnt, durften aber reisen. "Es ist nicht einfach, ein Reiseverbot zu verhängen", sagen kundige Polizisten. Die Kriterien werden aus "taktischen Gründen" nicht verraten; nur, dass "die Herren sehr aktiv sein müssen". Genau das ist das Problem der Polizei. "Die Hooliganszene verhält sich sehr konspirativ", sagt Iris Tappendorf, Chefin der "Ermittlungsgruppe Hooligan" der Berliner Polizei.

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