Vergabe der Winterspiele 2014
Leidenschaft versus Absatzmärkte

Heute entscheidet sich, welche Stadt die Olympischen Winterspiele 2014 austragen darf. Die drei übrig gebliebenen Kandidaten könnten unterschiedlicher nicht sein: Salzburg beruft sich auf die Tradition, Sotschi und Pyeongchang auf milliardenschwere Investitionen. Ein ungleiches Duell.

GUATEMALA / SALZBURG. Der Geschäftsdistrikt von Guatemala-Stadt kann in diesen Tagen getrost als einer der sichersten Orte des Kontinents bezeichnet werden. Und das, obwohl die größte Stadt Mittelamerikas in der Mordstatistik einsam an der Spitze liegt. Doch statt der Banden und Drogenkartelle regiert dieser Tage das Internationale Olympische Komitee das Viertel.

Außen, auf den Dächern der Hotels, weht die weiße Fahne mit den fünf Ringen, in den Hotels versucht man sich in der Meinungsmanipulation. Lobbyisten, PR-Experten und hochrangige Politiker arbeiten rund um die Uhr. Es geht um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014.

Also vor allem um Geld, wie die Bewerbungen von Sotschi (Russland) und Pyeongchang (Südkorea) zeigen. Mit Unterstützung der Regierungen und obskuren Milliarden von Großkonzernen wurde die Kandidatur Salzburgs immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Dabei müsste Sotschi alle elf für Olympia notwendigen Wintersportanlagen und Stadien neu errichten.

Die traditionelle Wintersportregion Salzburg hingegen verfügt über einen Großteil der notwendigen Bauten. Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden betonen deshalb, dass die Mozartstadt das geringste Risiko unter den Bewerbern darstelle. Salzburg, so Gusenbauer in Guatemala, könne den Winterspielen außerdem etwas zurückgeben, was den letzten Ausgaben gefehlt hätte: „Gänsehautfeeling“.

Der Rubel würde allerdings rollen, sollte der Schwarzmeer-Kurort Sotschi die Wahl gewinnen. In Russland ständen für den Ausbau der Infrastruktur neun Milliarden Euro allein aus Regierungsmitteln bereit. Und so hat Salzburg nicht nur die geringste Unterstützung in der Bevölkerung (42 Prozent), sondern auch in der heimischen Industrie. Die, so argwöhnte jüngst das österreichische „WirtschaftsBlatt“, würde lieber das große Geld in Sotschi verdienen.

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