Volleyball WM
Volleyball-Frauen wahren Medaillenchance

Die deutschen Volleyball-Frauen dürfen sich bei der WM in Japan weiter Hoffnungen auf Edelmetall machen. Das Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti besiegte Tschechien 3:0.

Nach den Tränen der Enttäuschung haben sich die deutschen Volleyballerinnen mit einem Blitzsieg wieder Mut gemacht. Die "Schmetterlinge" von Bundestrainer Giovanni Guidetti fegten am Sonntag Tschechien im Eiltempo mit 3:0 (25:8, 25:17, 25:16) aus der Halle und träumen vor dem entscheidenden Duell gegen den noch ungeschlagenen Olympiasieger Brasilien wieder von der ersten WM-Medaille der Geschichte. Für Guidetti kein Ding der Unmöglichkeit: "Wir können jeden Gegner schlagen."

Am Tag zuvor hatte die junge Mannschaft zum Auftakt der Zwischenrunde im japanischen Nagoya noch bittere Tränen vergossen und war nach dem desolaten 1:3 gegen Europameister Italien enttäuscht vom Platz geschlichen.

"Die Mädels haben es gespielt wie ein Finale. Sie haben nicht so gespielt, wie wir es geplant hatten. Sie waren viel besser", sagte Guidetti nach dem Tschechen-Spiel mit feuchten Augen. In nur 64 Minuten hatten sich seine Schützlinge den zweitschnellsten Sieg des Turniers gesichert und den eigenen Trainer wieder einmal überrascht: "Sie haben nur fünf Fehler gemacht. Das ist einfach unglaublich."

Nur bei Sieg gegen Brasilien winkt Edelmetall

Um die Chance auf die erste WM-Medaille für deutsche Volleyballerinnen zu wahren, muss am Dienstag allerdings gegen Brasilien eine Sensation her. Nur bei einem Sieg ist ein Sprung auf einen der ersten beiden Gruppenplätze und somit das Halbfinale möglich.

Einen Tag zuvor hatte der Italiener ausgerechnet gegen seine Landsleute noch das andere Gesicht seines Teams gesehen. Bei einer 1:0-Führung ließen Kapitän Christiane Fürst und Co. fünf Satzbälle im zweiten Durchgang ungenutzt und kassierten den Ausgleich. "Wenn wir das 2:0 machen, ist Italien kaputt", meinte Guidetti. Stattdessen war die deutsche Mannschaft völlig von der Rolle und ließ sich teilweise vorführen.

Mentaltrainer Christian Fust musste dennoch keine Nachtschicht einlegen. "Wir haben das Spiel über das Spiel gesprochen, aber das machen wir immer. Es gab nur wenige Einzelgespräche", sagte Fust. Für die gegen Tschechien wieder überragenden Zuspielerin Kathleen Weiß war es ein Vorteil, dass es die herbe Pleite gegen Italien im Abendspiel setzte: "Da blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken. Schnell ins Bett, schlafen und dann schon wieder rein in die Turnschuhe."

Mit kühlem Kopf gegen Tschechien

Vorher sorgte das Team allerdings noch für lange Warteschlangen, als es am Sonntagmorgen in voller Besetzung in ein Cafe einfiel. "Da gab es das erste Frühstück", sagte Libero Kerstin Tzscherlich mit einem breiten Grinsen. Den zweiten Teil der Morgenverpflegung gab es dann im Spielerhotel Nagoya Kanko, ehe es gut gestärkt zur Lehrstunde für die Tschechinnen ging.

Dabei hatten die Osteuropäerinnen im Turnier bereits für Furore gesorgt. Italien wurde nach 0:2-Rückstand noch besiegt und gegen Brasilien verlor die Mannschaft nur 2:3. "Wir haben aber mit 150 Prozent Konzentration gespielt und großartigen Charakter gezeigt", sagte Guidetti.

Gegen Italien habe man noch mit 150 Prozent Emotionen gespielt, das sei daneben gegangen. Neben einer desolaten Leistung in der Annahme machte den Schmetterlingen auch die rapide fallende Punktausbeute von Margareta Kozuch zu schaffen. Im ersten Satz traf die Russland-Legionärin alles und erzielte zehn Punkte. Bis zum Ende holte sie allerdings nur noch weitere sieben Zähler.

Ein Spiel später war von diesen Schwächen jedoch nichts mehr zu sehen. Kozuch erzielte 20 Punkte und in der Annahme fand das Team zu alter Stärke zurück. Gegen Brasilien muss es in der Achterbahnfahrt des deutschen Teams allerdings weiter nach oben gehen. Da hilft wohl nur ein perfektes Spiel.

© SID

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