Winterspiele-Vergabe
IOC soll Menschenrechte vertraglich absichern

Kasachstan und China im Duell: Macht Almaty oder Peking das Rennen um die Winter-Olympiade? Die Wahl solle auch von der Menschenrechtssituation abhängen, fordert die Sport and Rights Alliance – abgesichert per Vertrag.
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DüsseldorfDas Internationale Olympische Komitee (IOC) soll die Einhaltung von Menschenrechtsstandards in Verträgen mit Olympia-Ausrichterstädten verbindlich absichern. Dies fordert die Sport and Rights Alliance (SRA) in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an IOC-Präsident Thomas Bach vor der Wahl des Winterspiele-Gastgebers für 2022. Bewerber am 31. Juli in Kuala Lumpur sind Almaty und Peking. Die möglichen Gastgeberländer Kasachstan und China werden von der SRA als Staaten mit „hohem Risiko“ von Menschenrechtsverletzungen eingestuft.

Die SRA ist eine Koalition von führenden zivilgesellschaftlichen Organisationen, Sportorganisationen und Gewerkschaften. Ursprünglich hatten neun Städte Interesse an der Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022 gehabt, unter ihnen war auch München.

In Kasachstan sind laut SRA die Presse- und Meinungsfreiheit sowie das Demonstrationsrecht und die freie sexuelle Orientierung erheblich eingeschränkt. „Im Falle einer erfolgreichen Bewerbung von Kasachstan besteht die Gefahr, dass die Restriktionen verstärkt werden“, heißt es in dem Schreiben an Bach. In China, das 2008 schon Gastgeber der Sommerspiele war, sei in den vergangenen zwei Jahren eine „Eskalation von Intoleranz gegen Kritik“ festzustellen, schreibt die SRA. So werde aktuell in China landesweit gegen Menschenrechtsanwälte vorgegangen.

Von den beiden Bewerberstädten Almaty und Peking hat das IOC die Zusicherung erhalten, die in der Olympischen Charta festgeschriebenen Menschenrechte zu garantieren. „Das IOC sollte eine solide und realistische Einschätzung vornehmen, ob auch wirksame Maßnahmen zur Einhaltung der Menschenrechte in den Ländern getroffen werden und sich nicht nur auf die Zusicherung zu verlassen“, heißt es in dem Brief. Außerdem wird das IOC aufgefordert, unter anderen eine Anlaufstation für Beschwerden bei Menschenrechtsverletzungen zu schaffen, eine unabhängige Überwachung zu ermöglichen und Sanktionen für den Fall der Missachtung der Rechte festzulegen.

Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch appellierte an das IOC, abzusichern, dass der Olympia-Gastgeber von 2022 in der Vorbereitung und während der Winterspiele die Menschenrechte voll respektiert. „Ob China oder Kasachstan die Ehre haben wird, Ausrichter zu sein: Für das IOC wird es ein Extremtest für sein Engagement, die Menschenrechte zu schützen“, hieß es in einer am Mittwoch (Ortszeit) in New York verbreiteten Erklärung. Das IOC hat in seiner Reformagenda 2020 entsprechende Anforderungen verankert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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