Zahlreiche offene Baustellen
Warten auf den Heilsbringer

Das deutsche Eishockey liegt nach einem katastrophalen WM-Auftritt in Trümmern. Beim Wiederaufbau ist die Besetzung des Bundestrainerpostens nicht einmal die wichtigste Frage. Es gibt zahlreiche weitere offene Baustellen.

mh/mr FRANKFURT. Die Laune lässt sich Alois Schloder vor seinem Ehrentag nicht nehmen. Schließlich wird der langjährige Kapitän morgen vor 500 geladenen Gästen als elfter Deutscher in die Hall of Fame des Eishockey-Weltverbandes aufgenommen. Aber "schockiert" hat ihn der Abstieg des deutschen Teams, der seit Österreichs 2:6-Niederlage am Mittwoch gegen Slowenien feststeht. "Da muss jetzt was passieren", fordert der Olympia-Dritte von 1976.

Die Besetzung des Bundestrainerpostens ist dabei nicht einmal die wichtigste Frage ist. Vier Monate vor Beginn der neuen Saison gibt es zahlreiche offene Baustellen im deutschen Eishockey. In der DEL ist noch nicht abschließend beschlossen, ob Wolfsburg trotz untauglicher Halle und fehlender Alternative weiter spielen darf. Kassel, der sportliche Absteiger, begehrt dagegen auf und möchte als 15. Team in der Liga bleiben. Das wiederum hätte Auswirkungen auf die zweite Liga und die geplante eingleisige Oberliga, die unter dem Dach des Deutschen Eishockey-Bundes und dessen Betriebsgesellschaft angesiedelt ist.

Mit Unmut hat man dort vernommen, dass die DEL zudem den Abstieg abschaffen möchte. "Klubs und Arena-Betreiber brauchen Planungssicherheit", argumentiert DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke nicht zu unrecht. Da passe das Szenario Abstieg wenig hinein. Und: Wer nicht sportlich aufrüsten muss, um den Abstieg zu verhindern, oder den Aufstieg aus Liga Zwei zu erreichen, der würde deutschen Talenten eine größere Chance geben, sich zu entwickeln - zum Vorteil der Nationalmannschaft. Die DEL wäre eine geschlossene Gesellschaft mit Einstiegsmöglichkeiten für ambitionierte zusätzliche Klubs und ein Unterbau, mit deutlich reduziertem Ausländeranteil, Ausbildungsligen sozusagen.

"Wir müssen mehr für den Nachwuchs tun", hatte Eishockey-Legende Erich Kühnhackl, der seinem langjährigen Weggefährten Schloder zur Aufnahme in die Ruhmeshalle persönlich gratulierte, schon vor einigen tagen im Interview mit Handelsblatt.com gefordert und dabei zugleich seine Bereitschaft signalisiert, dabei mitzuhelfen das deutsche Eishockey aus der Krise zu führen. In welcher Position, das ließ er offen. Und so ist er, der im Welteishockey höchstes Ansehen genießt, denn auch der Joker für alle Fälle: Er könnte Greg Poss als Bundestrainer oder Hans Ulrich Esken als DEB-Präsident beerben. Um dem deutschen Eishockey einen Schub zu geben, und nicht nur von vergangenen Erfolgen zu zehren, sollte zumindest einer dieser beiden Fälle eintreten.

Quelle: News

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