Zurück auf dem WM-Thron
Klitschko hat jetzt Lust auf die anderen Gürtel

Wladimir Klitschko ist zurück - und wie: Der 30 Jahre alte Ukrainer eroberte am Samstagabend vor 14 000 Zuschauern in Mannheim mit einem technischen K.o.-Sieg in der siebten Runde über Titelverteidiger Chris Byrd (USA) glanzvoll den IBF-WM-Titel im Schwergewicht und äußerte umgehend seinen ungestillten Appetit auf weitere Großtaten.

HB MANNHEIM. „Ich habe echt Lust auf die anderen Gürtel. Mal sehen, was sich machen lässt“, sagte er nach dem 46. Sieg im 49. Kampf seiner Profi-Karriere. Gut zwei Jahre nach seiner K.o.-Niederlage im WM-Kampf gegen Lamon Brewster (USA) lieferte der Zwei-Meter-Mann gegen den 15 Zentimeter kleineren Amerikaner eine Leistung ab, die ihm ein Großteil der Fachwelt kaum mehr zugetraut hatte. Deutschlands Box-Ikone Henry Maske aber schon: „Das war das, was ich schon immer von ihm erwartet hatte. Er hat das Zeug dazu, das Schwergewicht in den kommenden Jahren zu dominieren.“

Nach Angaben der ARD erreichte der Klitschko-Kampf die höchste Quote, die jemals beim Boxen im Ersten gemessen wurde: Insgesamt 10,17 Millionen Zuschauer verfolgten allein in Deutschland das Comeback. Das entspreche einem Marktanteil von fast 50 Prozent.

Die Zuschauer erlebten einen Klitschko wie zu besten Zeiten, als er zwischen 2000 und 2003 den WBO-WM-Titel in seinem Besitz hatte.

Nach anfänglichem Abtasten dominierte der Modellathlet seinen physisch deutlich unterlegenen Kontrahenten praktisch nach Belieben.

Er beschäftigte Byrd mit dem linken Jab und fand auch mit seiner gefürchteten Rechten immer besser ins Ziel. „Mir war sehr schnell klar, dass Wladimir gewinnen würde“, sagte Bruder Vitali, bis vor seinem verletzungsbedingten Karriereende selbst noch Weltmeister.

In Runde fünf fand sich der Champion aus den USA erstmals am Boden wieder. Danach wollte ihn Klitschko endgültig ausknocken, besann sich aber, als dies nicht sofort gelang. „Wladimir hat weiter dazu gelernt“, lobte Trainer Emanuel Steward seinen Schützling. Nach 41 Sekunden der siebten Runde war dann aber das überfällige Ende da. Der Ringrichter brach den ungleichen Kampf nach weiteren Trefferserien des Herausforderers ab.

Verlierer Byrd war so schwer gezeichnet, dass er noch in der Nacht zur ärztlichen Untersuchung ins Krankenhaus musste. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, seinem Nachfolger Komplimente zu machen. „Witali ist ein großer Fighter. Ich habe einfach keine Mittel gefunden, um ihn zu besiegen“, gestand der 35 Jahre alte Amerikaner nach der Niederlage.

Aber auch die schwächelnde Konkurrenz aus den anderen großen Verbänden wird sich nicht so ohne weiteres auf ein Aufeinandertreffen mit dem „momentan besten Schwergewichtler der Welt“ (Steward) einlassen. Ein Klitschko in dieser stabilen physischen und psychischen Verfassung ist von seinen aktuellen Weltmeister-Kollegen Nikolai Walujew (Russland/WBA), Sergej Ljachowitsch (Weißrussland/WBO) und Hasim Rahman (USA/WBC) kaum zu stoppen. „Die Verhandlungen mit den Promotern sind alles andere als leicht“, weiß Wladimir aus eigener Erfahrung mit der von ihm und Bruder Vitali betriebenen Promotion.

Sebastian Sylvester muss sich solche Gedanken nicht machen. Der 25 Jahre alte Greifswalder verteidigte seinen EM-Titel im Mittelgewicht durch einen technischen K.o.-Sieg in der dritten Runde über den Engländer Steven Bendall. Es war sein 21. Sieg in seinem 22. Profi- Kampf.

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