Anstoß – die WM-Kolumne
Der Ball rollt, der Rubel auch

Von wegen Riesen-Chaos: Gäste aus aller Welt feiern ein unbeschwertes Fußballfest. Die Brasilianer sind herzliche und faire Gastgeber - denn ihre Verbitterung richtet sich nicht gegen die Fans.
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Favela-Krawalle, ÖPNV-Streiks, halbfertige Stadien, WM-Hass: Vor Beginn des Großevents in Brasilien wussten schon alle, dass die Weltmeisterschaft im Chaos versinken und in jeder Hinsicht scheitern würde. Aber jetzt rollt der Ball genauso wie der Rubel (bzw. Real) in Gastronomie, Hotel- und Transportgewerbe, und unter dem strengen Blick der Weltöffentlichkeit schnurrt die WM-Organisation souverän.

Wenn in Rio de Janeiro Tausende gleichzeitig an der Copacabana aufbrechen, um die Metro ins Maracana-Stadion zu nehmen, erwartet sie an der U-Bahn schon eine Armada von Freiwilligen, Mitarbeitern und Sicherheitskräften. Die Menschenmassen werden portionsweise in die Station geschleust, wo menschliche Wegweiser die Richtung vorgeben und auf Fragen antworten, die man eigentlich gerade erst stellen will.

Immer wenn eine falsche Bahn an der Station hält, steigen Helfer ein und fischen alle Fans heraus, um sie in den richtigen Zug nach Maracana zu setzen. Die Brasilianer sind aufmerksam, geduldig und immer für ein fröhliches High-Five oder einen Schlachtruf zu begeistern.

Auch in Salvador, vor dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft, sind so viele Helfer im Einsatz, dass beinahe jeder Stadiongänger persönlich begrüßt werden kann und niemand mehr als zehn Meter gehen muss, um von einem Streckenposten Auskunft zu bekommen.

Hier erfüllen die Helfer ihren Job ganz im Sinne der Fifa, deren Währung die Zufriedenheit der Gäste ist. Aber im Stadioninneren droht der Weltverband seinen kleinen Kredit wieder zu verspielen: Zahlreiche Ordner hindern die deutschen Fans daran, Banner und Fahnen an die Brüstung zu hängen. "Rule from Fifa", druckst ein Ordner und zuckt die Schultern.

Das akzeptieren die weitgereisten Anhänger aber nicht und knoten stur weiter, bis die Ordner aufgeben und dazu übergehen, Erinnerungsfotos mit den Fans zu schießen. Der Fifa können sie sagen, dass sie es immerhin versucht haben.

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Ein fußballverrücktes Volk

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