Ein Tag im DFB-Dschungelcamp
Im Busch lauern mehr Journalisten als Giftschlangen

Fußballfeld unter Palmen, Mannschaftquartier am Strand – der DFB hat seine Mannschaft in ein kleines Paradies gesteckt. Und doch können die Spieler nicht alle Annehmlichkeiten genießen. Ein Rundgang durchs WM-Quartier.
  • 0

Campo BahiaDer Mann vom Boulevard braucht eine Schlange. Möglichst lang, möglichst giftig. „In den Sträuchern gibt es jede Menge Giftschlangen“, sagt er noch. Die Einheimischen haben es ihm erzählt. Und Taranteln. „Hier sind sogar die Tausendfüßler giftig.“ Die Sträucher, in die er späht, wuchern direkt am Trainingsgelände der deutschen Nationalmannschaft. Man ahnt, welche Geschichte ihm vorschwebt.

Das Training ist eine Viertelstunde öffentlich. So lange dürfen die Kameraobjektive der Journalisten auf die Spieler zielen. Die Mannschaft beim Warmlaufen, beim Dehnen, bei der ersten Übung. Dann verschließt ein Ordner das Spanplattentor. Nur noch einige Bälle fliegen hin und wieder in den Sichtbereich der Hinterzaungäste.

Mit der Nachmittagseinheit endet das Tagesprogramm im Campo Bahia. Spieler und ihre Begleiter ziehen sich zurück. Zur Ruhe muss der Dschungel nicht kommen. Es ist den ganzen Tag über alles unaufgeregt in diesem abgelegen Landstrich an der brasilianischen Küste. Dazu ein laues Lüftchen, das der Hitze die Schärfe nimmt. Es ist so, wie es sich Teammanager Oliver Bierhoff vorgestellt hat. Er wollte für die Spieler nicht die Hektik der Großstädte. Kein Hotel an der Copacabana, keine Schlafstätte in Sao Paulo.

Der Preis und zugleich die Garantie für die gewünschte Einöde ist eine Fähre. Sie tuckert über das Delta des Rio João de Tiba und verbindet das südlich gelegene Santa Cruz Cabrália mit Santo André, an dessen Strand die Münchner Unternehmer Hirmer das Campo Bahia errichtet hat. Um kurz nach 10 Uhr morgens steigt die Nervosität am Kai. Wieder legt eine Fähre mit 15 Autos und einem Lkw an Bord ab, doch das Ende der Warteschlange am Ufer ist noch nicht abzusehen. Am Fahrkatenhäuschen gehört das Gemecker deutscher Journalisten mittlerweile zum Alltag.

Routine ist auch die regelmäßige Pressekonferenz um die Mittagszeit, zu der an diesem Tag Mittelfeldspieler Toni Kroos und Co-Trainer Hansi Flick erscheinen. Sie liefern den Stoff für mindestens eine neue Geschichte. Dieses Mal: Wer gewinnt den Machtkampf im Mittelfeld. In einem weißen Zelt ist das Pressezentrum eingerichtet, Arbeitsplätze gibt es im angrenzenden Resort. Dort wohnen auch die Rechteinhaber von ARD und ZDF. Ihnen bleibt die Fähre erspart.

Seite 1:

Im Busch lauern mehr Journalisten als Giftschlangen

Seite 2:

Alles Hochsicherheitszone – nur nicht der Strand

Kommentare zu " Ein Tag im DFB-Dschungelcamp: Im Busch lauern mehr Journalisten als Giftschlangen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%