Fifa diskutiert vierten Wechsel
Der Fußball kriegt vielleicht mehr Joker

Es ist die wohl spannendste Randnotiz der spielfreien Tage: In Fifa-Kreisen wird die Möglichkeit eines vierten Einwechselspielers diskutiert – ausschließlich für Verlängerungen. Das würde die Joker weiter aufwerten.
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Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien geht an die Substanz. Nicht nur wegen der klimatischen Bedingungen, die je nach Landesteil zwischen herbstlich, Glutofen und Dampfsauna pendeln, fordern die Spieler ungewohnt heraus. Auch die Laufleistung wird insgesamt immer höher. Gerade bei diesem Turnier feierten Mannschaften Erfolge, die mit Einsatz, Kampf und Disziplin über die gesamte Spieldauer glänzten.

Die Spieldauer hat es diesmal wirklich in sich: Fünf von acht Partien in der Runde der letzten 16 mussten in die Verlängerung, eine sogar ins Elfmeterschießen. Keine Mannschaft spielt einen bedingungslosen Hurra-Stil, weil alle Teams grundsätzlich mit ihren Kräften haushalten. Gerade die Teams, die viele gut trainierte Spieler aus Top-Ligen in ihren Reihen haben, setzen in den Verlängerungen Akzente – die Räume werden größer, die Chancen häufiger, der Fußball attraktiver.

Die Tatsache, dass selbst Mannschaften wie Deutschland oder Mexiko, traditionell mit langem Atem ausgestattet, körperlich ans Limit gehen müssen, macht deutlich: Die Leistungsfähigkeit scheint eine natürliche Obergrenze erreicht zu haben. Als Beobachter stellt sich die Frage: Wann hat man zuletzt Bastian Schweinsteiger mit Krämpfen gesehen?

Dinge, die auch der Fifa nicht entgangen sind. Und zu interessanten Gedankenspielen führen. Die TSG ist auf den Plan getreten – in diesem Fall steht das Kürzel nicht für Hoffenheim, sondern die „Technical Study Group“ des Weltverbands. „Eine vierte Auswechslung wird unter Experten schon länger diskutiert“, zitiert der Sport-Informations-Dienst (sid) etwa Gerard Houllier, seines Zeichens ehemals erfolgreicher Trainer des FC Liverpool, der französischen Nationalmannschaft und Mitglied eben jener TSG.

Tatsächlich scheint es wahrscheinlich, dass sich das regulierende International Football Association Board (IFAB) im Nachgang des Turniers intensiv mit der Möglichkeit befasst, eine vierte Auswechslung zu erlauben, wenn es zur Verlängerung kommt – und nur dann. Damit haben die Regelhüter natürlich nicht nur im Sinn, die Spieler zu entlasten. Schon jetzt zeichnet sich ab: Unter der hohen Intensität und der körperlichen Belastung leidet die Attraktivität der Spiele.

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Hoffen auf Entlastung in Katar

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