Volker Finke entschuldigt sich
„Das ist eine Schande, ich hasse so etwas“

Explosive Stimmung in Kameruns Nationalteam: Noch auf dem Rasen gehen die Spieler aufeinander los. Nach dem vorzeitigen WM-Aus will Volker Finke seine „Löwen“ bändigen und entschuldigt sich bei der ganzen Nation.
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ManausIm nass geschwitzten Hemd und mit den Händen in den Hosentaschen verfolgte Trainer Volker Finke den Zerfall seiner angeblich „Unzähmbaren Löwen“. Ohne den am Knie verletzten Superstar Samuel Eto'o präsentierte sich Kamerun beim 0:4 (0:1) gegen Kroatien als zerstrittener Haufen und offenbarte Auflösungserscheinungen. Das vorzeitige WM-Aus traf Finke heftig, doch ein handgreiflicher Zoff zwischen zweien seiner Spieler verdarb ihm komplett die Laune.

„Das ist eine Schande. Ich hasse so etwas zu sehen“, schimpfte der 66-Jährige, nachdem zum Ende der Fußball-Lektion in Manaus Benoit Assou-Ekotto und Benjamin Moukandjo gegeneinander handgreiflich geworden waren. „Ich muss herausfinden, was da genau passiert ist. Das ist nicht akzeptabel, das ist nicht das Bild von Kamerun, dass wir zeigen wollen.“ Mit „kühlem Kopf“ wollte Finke der Sache auf den Grund gehen. „Es wird Konsequenzen geben für die Spieler.“

Diese sind auch bitter nötig. 24 Jahre nach ihrem ersten und bisher auch letzten Einzug in die K.o.-Runde zeigten die Kameruner nur phasenweise gefährliches Offensivspiel. Ein effektives Konzept war gar nicht zu erkennen. Dafür schlug Kroatien eiskalt zu. Ivica Olic (11. Minute), Ivan Perisic (48.) und Mario Mandzukic (61./73.) schossen die Afrikaner aus dem Turnier. Als Knackpunkt beschrieb Finke später die Rote Karte gegen Alexandre Song (40.), der dem Noch-Bayern Mandzukic auf den Rücken geschlagen hatte.

„Sorry für dieses Resultat, das ist schmerzhaft für uns. Wir sind alle sehr enttäuscht“, meinte ein etwas ratlos wirkender Finke nach der zweiten Nullnummer im zweiten Gruppenspiel. „Es war nicht nötig, die Kontrolle auf dem Spielfeld zu verlieren, auch nach der Roten Karte nicht.“ Finke sah sich dann schon auf der Pressekonferenz mit unangenehmen Fragen konfrontiert. „Wir müssen alle eine Nacht darüber schlafen, ich muss nach so einer Niederlage erst mal runterkommen“, meinte er über seine Zukunft als Kameruns Coach.

Für die unmittelbare WM-Zukunft hat Finke klare Vorstellungen. „Ich will dem Team ein anderes Gesicht geben. Hauptsache wir spielen Elf gegen Elf, das ist eine Sache der Disziplin“, erklärte er vor dem sportlich bedeutungslosen letzten Spiel in Gruppe A am Montag (22.00 Uhr MESZ) in Brasilia gegen den Gastgeber. „Wir wollen die WM nicht punktlos verlassen“, meinte Stephane Mbia.

Der Mittelfeldspieler des FC Sevilla war einer der wenigen Kameruner, der sich überhaupt äußerte. Der Schalker Joel Matip und Eric Maxim Choupo-Moting vom FSV Mainz wählten den schnellsten Weg in Richtung Ausgang. Auch Eto'o passte sich dem sportlich niveauarmen Auftritt seines Teams an, das in der WM-Vorbereitung viel Energie für die Prämiendebatte verwendet hatte, und verschwand wortlos. Ob der 33-Jährige gegen Brasilien wieder dabei ist? „Das ist eine Frage für die medizinische Abteilung und auch für Samuel“, erläuterte Finke.

Der frühere Kölner Sportdirektor und langjährige Trainer des SC Freiburg ist nun als Löwenbändiger gefordert. „Schon in den ersten zehn Minuten war keine gute Atmosphäre bei ihnen im Team, sie haben gestritten“, beschrieb Kroatiens Kapitän Darijo Srna die aufgeladene Stimmung. „Nach unserem 1:0 war Unruhe bei ihnen“, erkannte auch Olic. Finke muss nun Frieden stiften.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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