WM-Reporter im Sendezentrum
„Wir arbeiten hier wie im Bergwerk“

In Rio de Janeiro ist die Kommandozentrale von ARD und ZDF – in einem tageslichtfreien Kongresszentrum am Stadtrand. Die ersten Wochen sind unerwartet pannenfrei abgelaufen – scharfe Kritik gibt es dennoch.
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Rio de JaneiroJetzt bloß keine Schweißperlen auf der Stirn. Matthias Opdenhövel ist schon geschminkt, ein Schirm muss her. Sie Sonne steht hoch über der Copacabana, der Moderator schon auf seinem Platz auf der Plattform mit Strandkulisse. In einer halben Stunde beginnt das WM-Programm in der ARD, Mehmet Scholl ist bereit, Giovane Elbers Platz noch frei. Er soll gleich da sein. Ein Mob wischt noch einmal über die Bühne.

Rund 35 Kilometer entfernt beobachtet Volker Drews die Szenerie. Er hat heute das Sagen im Regieraum, der im IBC, dem International Broadcast Centre, untergebracht ist. In Halle 3 des riesigen Kongresszentrums ist das Reich von ARD und ZDF.

Heute überträgt das Erste die Spiele für die deutschen Fans. Drews geht mit Opdenhövel die Sequenzen zum Sendestart durch. Es geht um eine Massageeinheit für Scholl, dann soll sich der Experte zu Brasiliens Stürmer Neymar äußern.

Diese Remote Production, die kilometerweite Entfernung von Auftrittsfläche und Produktion, ist eine der Premieren bei dieser WM. Es ist ungewohnt, dass der Regisseur nicht mal schnell ins Studio gehen kann, um direkt mit dem Moderator die Details zu besprechen. Neu sind auch die virtuelle Technik und die Analysemodule für Mehmet Scholl. Premieren erweitern das Angebot für den Zuschauer, bergen aber auch ein höheres Risiko für Pannen.

Zudem hat der Ausrichter dieser WM den Verantwortlichen von ARD und ZDF Sorgen bereitet: Die weiten Entfernungen zwischen den Spielorten, dazu die Last-Minute-Mentalität der Brasilianer. „Was die ganze Welt beim Stadienbau erleben durfte, haben wir hier beim Aufbau des IBC mitgemacht“, sagt ARD-WM-Programmchef Thomas Wehrle.

Die Krönung war, als es nach dem Aufbau durch das Dach geregnet hat, in einem Hallen-Komplex, der mit teurer Technik vollgestellt ist. Doch nach der Vorrunde sagt Wehrle, der seit 1992 bei Sportgroßereignisse dabei ist. „Die größte Überraschung ist für uns, dass es viel besser läuft als erwartet.“

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  • Liebe Mitarbeiter in der "Kommandozentrale" von ARD und ZDF,

    gehen Sie doch bitte einmal für einen Tag in ein Bergwerk, gerne auch in der Türkei, Afrika oder Südamerika und dann können Sie ja nochmal überlegen, ob Ihre Jobs, Arbeits- und Lebensbedingungen damit vergleichbar sind.

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