WM-Stadien in Brasilien
Überflüssig, nicht fertig und sehr teuer

Brasilien hat 2,8 Milliarden Euro in die WM-Stadien gesteckt – und tut das noch. Manche Spielstätten sind noch immer nicht fertig. Andere wurden hochgezogen, wo es keinerlei Bedarf gibt. Eine Analyse der Fehlplanung.
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DüsseldorfWenn am 23. Juni die Seleção, die brasilianische Nationalmannschaft, ins Estádio Nacional kommt, wird das noch junge Stadion ein Meer aus grün-gelb-blauen Fahnen sein. Dort bestreitet Elf ihr drittes und letztes Gruppenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land– gegen Kamerun geht es um den Einzug ins Achtelfinale.

Doch wenn die 90 Minuten vorbei, die Zuschauer abgereist und die Mannschaften wieder gefahren sind, bleibt eine teure Arena zurück, deren zukünftige Nutzung noch völlig offen ist. Das Problem ist kein speziell brasilianisches: Viele Nationen errichten für teures Geld Spielstätten für Sport-Großereignisse – und bleiben am Ende auf Milliardenkosten ohne weitere Verwendung sitzen.

Für geschätzte 430 Millionen Euro wurde in Brasilia, der Landeshauptstadt, das Estádio Nacional gebaut. Das schreibt der „Fanguide WM 2014“, der im Auftrag des DFB entstanden ist. Das Stadion ist mit 68.000 Plätzen das zweitgrößte des Fifa-Turniers.

Dort finden sieben Spiele der WM statt: vier Gruppenspiele, ein Achtelfinale, ein Viertelfinale und das Spiel um Platz 3. Was dann kommt, ist unklar: Die Stadt hat keinen Fußballverein, der ein Stadion solcher Größenordnung füllen könnte. Gebaut für sieben Spiele – und dann?

Diese Frage stellt sich nicht nur in Brasilia. Insgesamt investierte Brasilien 2,8 Milliarden Euro in die zwölf Stadien, in denen die WM ausgetragen wird. Fünf davon wurden umgebaut, sieben komplett neu errichtet.

Zum Teil trugen die Vereine die Kosten selber, zum Teil half der Staat – mit Steuergeldern. Zum Vergleich: Für die Weltmeisterschaft 2006 investierte Deutschland in die gleiche Anzahl an Stadien nur die Hälfte, knapp 1,4 Milliarden Euro.

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  • Cui bono?

  • Warum in die Ferne schweifen. Gerade mit Stadien, verkauft unter dem Namen "Mehrzweckarena" werden in Deutschland Millionen von Euro versenkt, um unterklassigen Klubs Spielstätten zu geben, während wirkliche Spitzensportler wie Handballer u.a. unter katastrophalen Bedingungen trainieren und spielen. Erfurt, Halle, Dresden, Leipzig usw. sind Beispiele. Aus den Spaßbadaffären der 90er wurde nichts gelernt. Von Baupfusch ganz zu schweigen. Der BER und Kassel Calden sind überall.

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