Bombardier
Kampfansage an Airbus und Boeing

Für die weltgrößte Luftfahrtmesse bringen sich die Flugzeugbauer in Stellung. Die kanadische Bombardier strebt in den Markt der großen Hersteller Airbus und Boeing – mit zwei neuen Mittelstreckenjets.
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Le BourgetMit einer Kampfansage an die großen Flugzeugbauer Airbus und Boeing geht der kanadische Hersteller Bombardier in die an diesem Montag beginnende weltweit größte Luftfahrtmesse in Paris. Bombardier-Chef Fred Cromer erwartet in den kommenden 20 Jahren einen stark wachsenden Markt bei den Mittelstreckenjets mit bis zu 150 Sitzen. Bis 2034 sollen in dem Bereich nach einer am Sonntag vorgestellten Marktstudie 12.700 Maschinen im Wert von knapp 50 Milliarden Euro verkauft werden. „Wir wollen einen großen Anteil an diesem Markt“, sagte Cromer am Sonntag in Le Bourget bei Paris.

Starke Verkaufszuwächse erwartet Bombardier etwa in China, wo unter anderem neue Regionalflughäfen für Aufschwung sorgten. „Es ist wichtig, dass wir in dem Markt dabei sind“, sagte Cromer. Mit den Fliegern CS100 und CS300 präsentiert Bombardier nach den Worten Cromers seit Jahrzehnten das erste komplett neu entwickelte Mittelstreckenflugzeug in Le Bourget. Gegenüber vergleichbaren Jets versprechen die Hersteller 20 Prozent weniger Spritverbrauch und eine deutliche Lärmreduzierung.

Der Konzern war bisher für kleinere Regionaljets bekannt. Von der C-Serie sollen nach dem Erstflug 2013 im kommenden Jahr die ersten Exemplare bei der Lufthansa-Tochter Swiss in den Liniendienst gehen. Die CS300 als größere Version macht den kleineren Ausgaben des Airbus A320, der A319, und der Boeing 737 Konkurrenz. Unter Kaufabsichten für gut 600 Maschinen hat Bombardier bisher nur 243 feste Bestellungen. Die Bombardier-Spitze zeigte sich in Le Bourget zuversichtlich mit Blick auf laufende Verkaufsgespräche.

Das boomende Geschäft auf der Kurz- und Mittelstrecke lockt auch andere Flugzeugbauer. Seit Jahren arbeiten der russische Hersteller Irkut und die chinesische Comac an Modellen. Bei Airbus und Boeing verkaufen sich die Mittelstreckenjets A320 und 737 glänzend, auch Langstreckenflieger wie der neue Airbus A350 und Boeings 787 „Dreamliner“ sind stark gefragt. Doch Giganten wie der doppelstöckige Airbus A380 und Boeings modernisierter Jumbo-Jet 747-8 haben heftige Absatzprobleme.

Dennoch stellen prall gefüllte Orderbücher Flugzeugbauer wie Airbus und Boeing bei der Produktion vor immer größere Herausforderungen. In den vergangenen Jahren hat das Geschäft derartig geboomt, dass die Industrie in nächster Zeit unter Druck ist, die Bestellungsliste von über 12.000 Maschinen abarbeiten zu können. Dies seien Größenordnungen, bei denen alle sechseinhalb Stunden ein Schmalrumpfflugzeug wie der A320 gebaut werden muss, sagte der bei Airbus für das operative Geschäft zuständige Manager Tom Williams im Vorfeld der Luftfahrtmesse bei Paris. „Dieser Taktschlag und diese Intensität sind sehr anspruchsvoll.“

Von Montag an dürfte deshalb bei der Schau in Le Bourget ein anderer Wind wehen als sonst: Produktionskapazitäten rücken ins Blickfeld, während etwas weniger milliardenschwere Aufträge zu erwarten sind. Vor allem die beiden Erzrivalen Airbus und Boeing buhlen traditionell darum, wer bei Neubestellungen die Nase vorn hat. Doch dieses Jahr rechnen Experten damit, dass die Fähigkeit zur pünktlichen Lieferung verstärkt zum Konkurrenzfaktor wird.

In den vergangenen Jahren hatten niedrige Zinsen und zunächst noch hohe Ölpreise zu einem Order-Boom geführt, weil viele Fluggesellschaften über günstige Kredite massiv in neue kerosinsparende Maschinen investierten. Das Volumen der Bestellungen, die die Industrie noch abarbeiten muss, beläuft sich auf 1,8 Billionen Dollar. Viele Experten gehen aber davon aus, dass die Flut an Bestellungen nun langsam abebbt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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