Krisen-Airline
Air Berlin kämpft verzweifelt um Vertrauen

Mit großen Anzeigen und Rabattaktionen versucht Air Berlin zu retten, was noch zu retten ist. Der Druck, das schwer ramponierte Image schnell zu polieren, ist gewaltig. Denn die Kunden sind durch das Chaos verunsichert.
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FrankfurtWenigstens die Fähigkeit zur Selbstironie hat man in der Zentrale von Air Berlin nicht verloren. „Erwarten Sie ab sofort ruhig mehr von uns (und nein, wir meinen nicht mehr Wartezeit;)“ heißt es in ganzseitigen Anzeigen der schwer angeschlagenen Airline. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft kämpft um das, was eine Airline zwingend braucht: Kunden und deren Vertrauen.

Der Druck, das schwer ramponierte Image schnell zu polieren, ist gewaltig. Seit Beginn des Sommerflugplans Ende März läuft es bei der Airline nicht mehr rund. Probleme bei der Bodenabfertigung in Berlin sorgten wochenlang für Verspätungen, auch weit über Berlin hinaus.

Dann platzte das geplante Gemeinschaftsunternehmen mit Tuifly im Tourismusgeschäft – eine der wesentlichen Säulen der Sanierung von Air Berlin. Und schließlich sickerte auch noch durch, dass Air Berlin eine zu Wochenbeginn dann wieder zurückgezogene Voranfrage für Staatsbürgschaften gestellt hat.

Schon das alleine reicht eigentlich. Doch das Chaos kommt auch noch zu einer Zeit, die für Fluggesellschaften die wichtigste überhaupt ist: die Hauptreisezeit. Im Sommer und im beginnenden Herbst verdienen Airlines ihr Geld, in den nachfrageärmeren Wintermonaten verbrennen sie dagegen dann wieder einiges davon. Ausgerechnet in dieser Zeit das Vertrauen der Kunden zu verlieren, ist fatal. Das weiß man natürlich in der Air-Berlin-Zentrale und versucht, gegenzusteuern.

So wirbt man damit, neues Personal eingestellt zu haben, um Engpässe zu beseitigen. 850 Mitarbeiter an der Zahl sollen es sein, nach Aussage eines Unternehmenssprechers vor allem Flugbegleiter und Servicekräfte. Sie sind relativ schnell anzulernen. Für Air Berlin ist das ein notwendiger aber gleichwohl schmerzhafter Schritt, denn die Airline muss angesichts hoher operativer Verluste – minus 667 Millionen Euro betrug das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern im vergangenen Jahr – sowie eines Schuldenbergs von über einer Milliarde Euro eigentlich sparen, wo immer es geht.

Stefan Pichler, bis Januar Air Berlin-Chef und der Vorgänger von Thomas Winkelmann, hatte deshalb ein umfassendes Personalabbauprogramm gestartet. Wer gehen wollte und dafür die Zustimmung seines Chefs erhielt, durfte mit Abfindung gehen.

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Massive Verunsicherung bei den Kunden

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