Energiepolitik
Hohe Strompreise treiben Mittelstand ins Ausland

Viele Mittelständler sind sehr heimatverbunden. Doch die hohen Energiekosten machen den Unternehmen zu schaffen. Viele von ihnen überlegen sich deshalb Alternativen zum Standort Deutschland.
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MünchenWerner Borgers ist frustriert. „Erst“, klagt der Unternehmer, „haben sie die arbeitsintensive Produktion aus Deutschland vertrieben. Jetzt ist auch noch die hochautomatisierte Fertigung dran.“ Sie, das sind die Politiker, die den Strompreis in den vergangenen Jahren mit ihrer Energiewende in die Höhe getrieben haben. Borgers sieht sich selbst als Patriot, einer, der gerne in seiner Heimat wirtschaftet.

Doch die gigantische Stromrechnung hierzulande zwinge ihn als Chef und Eigentümer des westfälischen Autozulieferers Borgers geradezu, jenseits der Landesgrenzen zu investieren. „Rein unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten“, zetert der Diplom-Kaufmann, „rentiert sich die Produktion am Stammsitz in Bocholt nicht mehr.“

So wie Borgers geht es vielen Mittelständlern. Sie lieben ihre Heimat, und bauen doch Werke jenseits der Landesgrenzen auf, vor allem in Osteuropa. In seinen Werken in Tschechien zahle er gerade mal die Hälfte für den Strom, meint Borgers, der mit knapp 5000 Mitarbeitern mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz im Jahr erzielt. Wenn unter dem Strich in guten Jahren eine Marge von nur zwei Prozent bleibe, sei der Spielraum eben gering.

„Nicht konkurrenzfähige Energiepreise führen auf Dauer unweigerlich zu einer irreparablen Industriebrache“, warnt Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Diese hat die Strompreise für mittelgroße Betriebe in 18 Industrieländern verglichen. Deutschland rangiert auf Platz 15, nur in der Slowakischen Republik und in Italien müssen die Fabrikbesitzer mehr hinlegen. In den letzten zehn Jahren hat sich der Strompreis für die Industrie verdoppelt.

Dabei sind es nicht die Stromkosten allein, die den Unternehmern das Leben schwermachen. Vor allem das ständige Hin und Her in der Energiepolitik sei eine Katastrophe, meint der Münchener Unternehmer Fritz Homann. „Uns fehlt in Deutschland die ausreichende Planungssicherheit“, ärgert er sich. Homann stellt Holzfaserplatten her, wie sie unter anderem für die Rückseite von Schränken verwendet werden. Er leidet unter den Folgen der Energiewende zweifach. Einerseits ist für ihn der Strom teurer geworden, so dass sich seine Fabrik im Saarland immer weniger lohnt. Weil die Regierung die Holzverbrennung fördert, wird auch noch der wichtigste Rohstoff knapp. Allein dieses Jahr sei der Holzpreis um 40 Prozent geklettert, sagt Homann.

Homann baut daher seine beiden Werke in Polen aus. Dort ist nicht nur der Strom sehr viel günstiger. „In Polen ist der Wald zu 95 Prozent in Staatshand. Das sind verlässliche Lieferanten“, betont Homann, der im Jahr rund 200 Millionen Euro Umsatz erzielt.

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„In jeden Arbeitsplatz 1,4 Millionen Euro investiert“

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