Gas aus Windstrom
Technik mit großem Potenzial

Das Bundesumweltministerium will die Anrechnung von aus Windstrom gewonnenem Gas auf die Biokraftstoffquote ermöglichen. Das könnte dem Power-to-Gas-Konzept zum Durchbruch verhelfen.
  • 11

BerlinEs geht nur um eine paar Sätze in der Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, doch für eine noch junge Branche bedeuten sie viel: Das Bundesumweltministerium will im neuen Gesetz den Weg dafür bereiten, dass aus Windstrom gewonnenes Gas auf die Biokraftstoffquote angerechnet werden kann. Die Branche erhofft sich davon einen gehörigen Schub.

"Für uns ist es wichtig, über die Schwelle der Versuchs- und Modellvorhaben hinauszukommen", sagte Werner Diwald, Sprecher der Initiative "Performing Energy", dem Handelsblatt. "Wenn der Gesetzgeber ermöglicht, aus Windstrom gewonnenes Gas auf die Biokraftstoffquote anzurechnen, könnte das ein entscheidender Impuls für eine breite Markteinführung sein."

In der Initiative sind Unternehmen wie Linde, Total, Siemens und Vattenfall zusammengeschlossen. Auch die Deutsche Umwelthilfe und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme machen mit. Ziel von "Performing Energy" ist es, der Gewinnung von Gas aus Strom ("Power to Gas") zum Durchbruch zu verhelfen.

In kleinerem Maßstab funktioniert das Power-to-Gas-Konzept bereits. So eröffnete Audi im vergangenen Jahr im niedersächsischen Werlte eine Pilotanlage. Dort wird aus Windstrom durch Elektrolyse Wasserstoff produziert, der in Methan verwandelt wird. Methan ist mit fossilem Erdgas fast identisch, kann ins Erdgasnetz eingespeist und zum Betanken von Erdgas-Autos genutzt werden. Mit dem in Werlte produzierten Gas aus Windstrom lassen sich jährlich 1 500 Mittelklassewagen betanken, die jeweils 15.000 Kilometer zurücklegen.

Interessant wird das Verfahren, das im Prinzip jahrzehntealt ist, erst durch die Energiewende: Gerade im Norden Deutschlands wird immer häufiger mehr Windstrom produziert, als sich sinnvoll verwenden lässt. Aus diesem überschüssigen Windstrom ließe sich künftig in großem Maßstab Gas herstellen.

Im Umweltministerium erkennt man das Potenzial der Technik. Die Vorschläge von "Performing Energy" zur Einbeziehung des aus Windstrom gewonnenen Gases in den Kraftstoffsektor "sind sinnvoll und werden in unserem Haus auch ähnlich verfolgt", sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage des Handelsblatts. Die EU-Kommission arbeite derzeit an entsprechenden Vorschriften, die über eine in der Novelle des Immissionsschutzgesetzes vorgesehene Verordnungsermächtigung "zeitnah umgesetzt werden".

Auch für die Mineralölwirtschaft hätte die Anrechnung Vorteile. Die Branche ist nach dem Biokraftstoffquotengesetz verpflichtet, einen wachsenden Mindestanteil von Biokraftstoffen in den Verkehr zu bringen. Könnte sie dabei auf "Power-to-Gas"-Produkte zurückgreifen, würde sich das begrenzte Angebot an Biotreibstoffen erhöhen.

Infografik Wie Energie sich speichern lässt



Allerdings ist Power to Gas von der Wirtschaftlichkeit noch weit entfernt. Energiewirtschaftlich bedeutsam kann das Verfahren dennoch sein. Denn schließlich kann man das produzierte Gas ins Erdgasnetz einspeisen. Das Netz bietet dafür noch reichlich Kapazität. Damit hätte man überschüssigen Windstrom - über den Umweg der Elektrolyse - gespeichert. Angesichts knapper Stromspeicherkapazitäten wäre das eine interessante Alternative.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%