UMWELTPOLITIK
Inspektionen gibt es kaum

Die Bundesregierung will den Klimaschutz voranbringen und stellt dafür allerlei Richtlinien auf. Allerdings sorgt sie sich wenig um Einhaltung der eigenen Vorgaben und kontrolliert die kaum.
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BerlinMehr als ein Drittel der Energie verbrauchen die Deutschen in Gebäuden. Für die Bundesregierung gilt daher die klimapolitische Erkenntnis: „Mit heute verfügbarer Technik kann der Bedarf in diesem Bereich deutlich reduziert werden“, sagt Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Umweltministerium.

Doch an der Umsetzung fehlt es. Dabei geht es nicht nur um die energetische Sanierung der Fassaden, um neue Fenster oder den Austausch veralteter Heizungen, über die sich der Betrieb von Gebäuden effizienter und damit kostengünstiger gestalten lässt. Allein der Sanierungsstau bei Klimaanlagen kostet jede Menge Energie. Größere Klimaanlagen, die fast ausschließlich in öffentlichen und gewerblichen Gebäuden zum Einsatz kommen, müssen laut Energieeinsparverordnung alle zehn Jahre überprüft werden.

Allerdings werden bisher nur drei Prozent der Anlagen untersucht, wie eine Studie des Instituts für Luft- und Kältetechnik Dresden und der Schiller Engineering aus dem Jahr 2013 zeigt. „Seitdem deutet nichts darauf hin, dass sich an dieser erschreckend niedrigen Inspektionsquote etwas ändert“, kritisiert Günther Mertz, Hauptgeschäftsführer des Bundesindustrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung (BTGA).

„Man stelle sich vor, es wären nur drei Prozent aller zugelassenen Kraftfahrzeuge vom Tüv inspiziert“, sagte Mertz dem Handelsblatt. Zum Glück sei dies in Deutschland nicht möglich. „Möglich ist aber, dass viele Tausend Klimaanlagen entgegen ordnungsrechtlichen Vorgaben energetisch nicht inspiziert werden und ungebremst Energie verschleudern können.“ Dabei sei es nicht teuer, die Anlagen zu modernisieren. „Die amortisieren sich schnell aufgrund eingesparter Energiekosten“, sagt Mertz.

Auch die Deutsche EnergieAgentur (Dena) sieht Nachholbedarf: Die Bedeutung von Nichtwohngebäuden für mehr Energieeffizienz werde häufig unterschätzt, heißt es. Zu Unrecht, denn durch ihre Größe verursachten wenige Gebäude hohe Verbräuche, sagte Dena-Chef Stephan Kohler dem Handelsblatt. Mertz und Kohler fordern, die Wartung der Klimaanlagen verstärkt zu kontrollieren. Verantwortlich dafür sind laut BTGA die Bundesländer. Einsparpotenzial durch regelmäßige Wartung bieten auch große Lüftungs- und Heizungsanlagen. Sie müssen aber bislang noch nicht regelmäßig überprüft werden.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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