Heilsbringer für das Klima
Wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

Eine Million Elektroautos sollen bis zum Jahr 2020 auf den deutschen Straßen fahren. Bislang sind es gerade einmal rund 20.000 Stück. Aber derzeit lässt ihre Klimabilanz ohnehin noch zu wünschen übrig.
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Sie sind in aller Munde – und dennoch erst selten auf der Straße: Elektroautos. Dabei werden sie von Politik und Wirtschaft geradezu als Heilsbringer für das Klima gepriesen. Von ihrem Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen, ist die Bundesregierung jedoch noch meilenweit entfernt. Noch keine 20.000 reinen Stromer säuseln abgasfrei durchs Land. Aber sind die E-Autos überhaupt geeignet, den Ausstoß an Kohlendioxyd (CO2) zu verringern und so die Ökobilanz nachhaltig zu verbessern?

Während der Fahrt stößt ein E-Auto natürlich keine Abgase aus und produziert daher auch kein klimaschädliches CO2. Berücksichtigt man hingegen die Erzeugung des Stroms und die Produktion des Fahrzeugs, sinkt die Umweltfreundlichkeit von Elektroautos rapide. Denn hierzulande kommt der Strom noch immer zu weiten Teilen aus Kohle- oder Gaskraftwerken. Zwar hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix bereits enorm auf derzeit rund 28 Prozent erhöht. Doch reicht das noch nicht aus, um die möglichen Vorteile von Elektroautos gegenüber herkömmlichen Verbrennungsmotoren tatsächlich auszuschöpfen.

Das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg kam in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass batteriebetriebene Pkw über ihre gesamte Lebensdauer bei Nutzung des deutschen Strommix eine ähnliche Klimabilanz haben wie konventionelle Autos.

Das größte Problem sei dabei die Bereitstellung des Stroms zur Ladung der Fahrzeugbatterien. Fast zwei Drittel der klimaschädlichen Wirkung von E-Autos schreiben die Forscher dieser Tatsache zu. Ihr Schluss: Solange in Deutschland nicht der weit überwiegende Teil des Stroms aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird, sieht auch die Klimabilanz der Stromer wenig rosig aus.

Als zweiten Punkt haben die Wissenschaftler die Herstellung der Batterien ausgemacht, die in der Klimabilanz der E-Autos mit 30 Prozent zu Buche schlägt. Dabei wiegt die Tatsache, dass die Akkus während des Lebenszyklus eines Stromers in der Regel mindestens einmal ausgetauscht werden müssen, besonders schwer. Denn die Herstellung der Hochleistungsakkus verbraucht reichlich Energie.

Allein im Stadtverkehr mit Laufleistungen von mehr als 100.000 Kilometern, sprich als E-Taxi etwa, könne das Elektroauto heute bereits die Ökobilanz eines vergleichbaren Dieselfahrzeugs schlagen. Nutzt man den Stromer dagegen privat in der Stadt, ist er wegen der auf die geringe Laufleistung zu verteilenden Negativfaktoren der Akkus in etwa so klimaschädlich wie ein Dieselmotor und 17 Prozent weniger schädlich als ein Wagen mit Benzin als Treibstoff.

Auch Wissenschaftler an der University of Minnesota haben sich der Ökobilanz von Elektroautos angenommen und entsprechende Computersimulationen entwickelt. In ihre Berechnungen ergänzten sie die Faktoren Strom- und Batterieproduktion um die Simulation von Stoffkreisläufen, Wetter- und Klimaveränderungen und bewerteten auch die Auswirkungen von erhöhten Feinstaub- und Ozonwerten auf die Gesundheit der Menschen.

Auch ihr Ergebnis: Elektroautos wirken sich nur dann positiv auf die Umweltbilanz aus und tragen zu einer Luftverbesserung bei, wenn der Strom für ihre Herstellung und ihren Betrieb und aus sauberen, regenerativen Energiequellen stammt. Wird dagegen der Strom lediglich durch Kohlekraftwerke erzeugt, verursachten Elektroautos den US-Forschern zufolge pro Kilometer gut doppelt so viel Feinstaub und Ozons wie Benziner. Ihr düsteres Fazit: 3000 zusätzliche Tote pro Jahr als Folge der dadurch hervorgerufenen Luftverschmutzung.

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