Umstrittene Gasförderung
Kommt der Durchbruch beim Fracking auch in Deutschland?

Das Potenzial von Schiefergas in Deutschland ist groß. Doch das sogenannte unkonventionelle Fracking hat zahllose Kritiker auf den Plan gerufen. Werden sie sich gegen die Interessen der Wirtschaft durchsetzen?
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Die USA haben den Schritt gewagt und sich von Energieimporten weitgehend unabhängig gemacht. Möglich machte den Erfolg das „Fracking“. Bei diesem Verfahren zur Gasförderung wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und einem kleinen Anteil von Chemikalien in eine Bohrung gepresst, um unterirdisch Risse im Gestein zu erzeugen. Durch diese Risse strömt Erdgas zum Bohrloch.

Auch in Deutschland wird seit Jahrzehnten gefrackt. Allerdings bisher nur, um den wertvollen Rohstoff Gas aus dichten Sandsteinschichten in mehr als 3000 Metern Tiefe an die Oberfläche zu befördern. Diese Methode hört auf den Namen konventionelles Fracking. Neue Pläne, auch aus höher liegenden Gesteins- und Kohleflözschichten Gas herauszupressen, sogenanntes unkonventionelles Fracking, haben nun hierzulande zahllose Kritiker auf den Plan gerufen. Und deren Chancen, sich gegen die Interessen der Wirtschaft durchzusetzen, stehen trotz des enormen wirtschaftlichen Erfolges des Fracking in den USA nicht schlecht.

Dabei ist das Potenzial von Schiefergas in Deutschland groß. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt die förderbare Schiefergasmenge auf 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter. Genug, um Deutschland mindestens sieben, im Idealfall sogar 23 Jahre lang mit Gas aus heimischen Vorkommen zu versorgen.
Den Kritikern geht es vorrangig um Umweltschutz. Vor allem die Angst vor Chemikalien im Grundwasser, das häufig zur Trinkwassergewinnung genutzt wird, weckt in vielen Menschen Urängste.

Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, hält diese aus fachlicher Sicht für völlig unbegründet. In den Tiefen, in denen die Frack-Flüssigkeit eingesetzt wird, seien im Wasser zu 20 oder gar 30 Prozent Salze, zudem noch Schwermetalle und andere Stoffe enthalten, sagte Kümpel dem Handelsblatt. „Die volkstümliche Vorstellung, dass das Wasser in diesen Tiefen besonders rein sei, ist ein großes Missverständnis.“ Die Frack-Flüssigkeit bestehe dagegen aus Wasser mit weniger als zwei Prozent Chemikalien, die unter anderem dem Korrosionsschutz der Rohre dienen und die Reibung beim Flüssigkeitstransport in den Rohren verringern sollen. Zudem arbeite die Branche daran, den Chemikalienanteil weiter zu reduzieren.

Genau das will dem Ölmulti Exxon Mobil mit seiner neuen Frack-Flüssigkeit jetzt gelungen sein. Seine Formel: 99,8 Prozent Wasser, 0,14 Prozent Cholinchlorid, 0,06 Prozent Butyldiglykol. In der von Exxon angegebenen Konzentration sollen beide Stoffe für den Menschen ungefährlich sein.

Infografik Wo Deutschland dringend aufholen sollte



Für die Fracking-Befürworter ist Exxons Rezeptur vielleicht die letzte Hoffnung, die skeptische Öffentlichkeit von dem Verfahren zu überzeugen – und die Politik. Denn die ist eingeklemmt zwischen aufgebrachten Bürgern und Lobbyinteressen. Wegen zahlreicher Proteste wurde sogar das konventionelle Fracking in Deutschland gestoppt. Seither geht die Gasförderung zurück. Sigmar Gabriel (SPD) will sie als Wirtschaftsminister wieder in Gang bringen, fürchtet aber heftigen Widerstand der Bevölkerung gegen das unkonventionelle Fracking.

Daher planen Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks, konventionelles Fracking unter strengeren Auflagen zu erlauben, unkonventionelles aber bis mindestens 2021 zu verbieten. Nur einige Probebohrungen in Schiefer wollen sie zulassen. In den nächsten Jahren wird Deutschland der Durchbruch beim Fracking nicht gelingen.

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