EU-Verbote
Was Europäer alles vom Rauchen abhalten soll

Rauchen kann tödlich sein - so steht es auf Zigarettenpackungen. Fotos von Raucherlungen oder Krebsgeschwüren werden dies bald drastisch bebildern. Auf Druck der Tabak-Lobby fallen sie schwächer aus als geplant.
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StraßburgVergammelte Zähne und schwarze Tumore: Solche Horrorbilder auf Zigarettenschachteln sollen die Europäer vom Rauchen abhalten. Nach jahrelangen Debatten hat sich die EU auf eine Reform der Tabakvorschriften geeinigt. Nach der Zustimmung des Parlaments wollen die EU-Staaten im März die Vorgaben endgültig abnicken.

Warum wird die EU aktiv?
Weil alle Kampagnen gegen das Rauchen nicht fruchten. Immer noch qualmt jeder Dritte in Europa. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jedes Jahr 700 000 Europäer an den Folgen des Tabakkonsums - das entspricht in etwa der Einwohnerzahl der Stadt Frankfurt am Main. Viele Opfer sind passive Nichtraucher. Rauchen gilt als Auslöser für Krebs und Herzinfarkt und verursacht mehr Gesundheitsprobleme als Alkohol oder andere Drogen. Das kostet Europa jedes Jahr etwa 25 Milliarden Euro.



Was ändert sich künftig in der EU?
Alle Packungen mit Zigaretten oder Tabak müssen Schockfotos haben wie Raucherlungen, vergammelte Zähne oder Krebstumore. Warnhinweise wie „Rauchen tötet“ und Fotos bedecken den größten Teil der Packung, nämlich 65 Prozent der Oberfläche.

An wen richten sich Horror-Fotos und Warnhinweise?
Vor allem an Einsteiger, also junge Leute. Denn laut Europaparlament reizt die Zigarette besonders die 15- bis 25-Jährigen, die knapp ein Drittel der Raucher stellen. „Wir wissen, dass es die Kinder sind, und nicht die Erwachsenen, die mit dem Rauchen anfangen“, sagt die britische Sozialdemokratin Linda McAvan. Daher werden Päckchen mit weniger als 20 Zigaretten - die weniger kosten und damit für Kinder leichter zu erwerben sind - verboten. Das gleiche gilt für hübsche Verpackungen etwa in Lippenstift-Form.

Lassen sich Raucher denn überhaupt auf diese Weise abschrecken?
Das ist umstritten. Nach Ansicht der Deutschen Krebshilfe ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Bilder deutlich abschreckender wirken als kleine, schriftliche Warnungen. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg verweist auf Kanada, wo Schockbilder den Tabakkonsum reduziert haben. Dagegen bestreiten Hersteller wie Reemtsma, Philip Morris und British American Tobacco (BAT), dass dies Jugendliche vor dem Zigarettenkonsum bewahre. Experten fürchten, dass sich die Wirkung solcher schockierender Fotos schnell abnutzt.



Wird es künftig noch Zigaretten mit Aroma geben?
Nein. Die EU verbietet geschmacksverändernde Aromen wie Schoko oder Erdbeere ebenso wie Farbstoffe für bunten Rauch. Solche Zusätze mildern bei manchen Zigaretten den Tabakgeschmack und erleichtern gerade jungen Rauchern den Einstieg. Erlaubt bleibt aber Zucker, der etwa minderwertigen Tabak aus Ländern wie Griechenland oder Rumänien aufbessert. EU-Kommissar Borg sagte: „Tabakprodukte sollen aussehen und schmecken wie Tabakprodukte.“

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