Warnung vor Notstand
Pflege bleibt ein Problemfall

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, während der Fachkräftemangel immer noch nicht gelöst ist. Bereits heute fehlen Schätzungen zufolge bis zu 50.000 Pflegefachkräfte.
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BerlinImmer mehr Pflegebedürftige, zu wenig Pflegekräfte und dazu auch noch eine hohe Arbeitsbelastung und teils schlechte Bezahlung: Verbände warnen seit Jahren vor dem Pflege-Notstand in Deutschland und fordern eine große Reform. Die schwarz-rote Koalition hat die Pflege zu einem zentralen Thema gemacht - wie übrigens auch schon ihre Vorgängerregierungen. Seit Donnerstag diskutieren Experten auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin drei Tage lang über Probleme und Strategien in der Pflege.

Wie viele Pflegebedürftige gibt es in Deutschland?
Bereits heute sind mehr als 2,5 Millionen Menschen pflegebedürftig. Doch die Zahl der alten Menschen wächst und damit auch der Bedarf an Pflege. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf rund 3,5 Millionen und 2050 auf mehr als 4,3 Millionen steigen.

Was sind die größten Probleme im Pflegebereich?
Das Hauptproblem ist zweifellos der Fachkräftemangel. Zwar gibt es zahlreiche Initiativen, auch vom Bund, Pflegekräfte zum Beispiel aus Spanien oder China anzuwerben. Zudem schlossen Bund, Länder und Verbände 2013 einen Ausbildungspakt, um den Beruf vor allem für junge Leute attraktiver zu machen. Allerdings können viele offene Stellen im Pflegebereich schon nicht mehr besetzt werden. Außerdem wird die Zahl der jungen Menschen auf dem Ausbildungsmarkt in der Zukunft deutlich sinken, was die Anwerbung von Nachwuchs erschweren dürfte.

Wie viele Pflegekräfte fehlen?
In Deutschland fehlen nach Schätzungen des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) bereits heute bis zu 50.000 Pflegefachkräfte. 2025 könnten Prognosen zufolge bereits 150.000 professionelle Pfleger fehlen. Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Gesundheits-System-Forschung wird der Bedarf an Pflegepersonal bis 2060 auf rund 1,4 Millionen Vollzeitbeschäftigte steigen und sich damit im Vergleich zu 2009 mehr als verdoppeln. Berufsverbände klagen schon heute über eine enorme Arbeitsbelastung der Pflegekräfte. Diese würden "ausgebeutet", seien überdurchschnittlich oft krank und würden vergleichsweise schlecht bezahlt.

Was verdient das Pflegepersonal?
Laut einer Erhebung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung liegt das monatliche Bruttoeinkommen in Pflegeberufen ohne Sonderzahlungen bei einer 38-Stunden-Woche bei durchschnittlich 2412 Euro. Pflegehelfer, die den Fachkräften zur Hand gehen, verdienen nur um die 1800 Euro.

Was will die Politik zur Verbesserung der Situation tun?
Schwarz-Rot will unter anderem die Pflegeausbildung reformieren und zusätzliche Fachkräfte gewinnen. Kernpunkt einer Pflegereform ist allerdings die schon lange geforderte Neubewertung der Pflegebedürftigkeit. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Expertenbeirat Empfehlungen für ein neues Begutachtungsverfahren zur Bestimmung des Pflegebedarfs vorgeschlagen, bei dem geistige Defizite genauso berücksichtigt werden sollen wie körperliche Einschränkungen. Vor allem Demenzkranke und andere Menschen mit psychischen Störungen sollen von dem neuen Pflegebedürftigkeitbegriff profitieren. Allerdings ist unklar, wann dies umgesetzt wird.


Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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