Energieverbrauch
Was ist ein intelligentes Stromnetz?

Ein guter Teil des Stroms stammt heute aus Wind- und Solarenergie. Damit steht Deutschlands Stromnetz vor einer Herausforderung: Es muss intelligent werden. Sonst drohen Unternehmen und Verbrauchern Stromausfälle.
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Unterstützt von der Bundesregierung arbeiten die Netzbetreiber am „Smart Grid“, dem intelligenten Stromnetz. Das Stromnetz besteht aus konventionellen Kraftwerken sowie Wind- und Sonnenenergie-Anlagen jeder Größe, die über ein 1,8 Millionen Kilometer langes Netz von Freileitungen und Erdkabeln mit Millionen Stromabnehmern in Haushalten und Betrieben verbunden sind.

Durch den steigenden Anteil der erneuerbaren Energien steigen die Anforderungen an die Stromnetze. Vor der Energiewende speisten eine relativ kleine Anzahl von Kraftwerken kaum schwankende Strommengen in das Netz ein. Heute stammt bereits ein Viertel des Stroms von Wind- und Solaranlagen. Diese produzieren je nach Tageszeit und Wetter unterschiedlich viel Strom. Das stellt die Netzbetreiber vor Herausforderungen, denn das Energie-Angebot variiert stärker und ist schwieriger zu beeinflussen. Ziel des intelligenten Stromnetzes ist es, eine möglichst gleichmäßige Auslastung des Stromnetzes sicherzustellen, also Lastspitzen oder sogar Ausfälle zu vermeiden. Dieselbe Menge an Energie wird übertragen, doch die Netze sind gleichmäßiger ausgelastet und damit effizienter.

Intelligent soll das Stromnetz werden, indem es mit einem Datennetz gekoppelt wird. Dabei soll es möglichst viele Erzeuger und Verbraucher miteinbeziehen. Die erneuerbaren Energien haben den Vortritt: Wind- und Sonnenenergie werden vorrangig in die Netze eingespeist. Der Verbrauch soll möglichst an die zeitlich schwankende Stromproduktion der Erneuerbaren angepasst werden. Das geschieht, indem das intelligente Stromnetz Informationen liefert, wo wie viel Strom produziert wird und den Stromgeräten Signale senden, wann sie Strom abnehmen sollen. So könnten Akkus von Elektroautos nachts laden – oder dann, wenn Wind weht und die Sonne scheint.

Ein wichtiger Schritt zur Realisierung smarter Netze ist die flächendeckende Einführung intelligenter Stromzähler. Bis 2020 müssen in Deutschland in allen Haushalten die alten Stromzähler durch sogenannte Smart Meter, ausgetauscht werden. Sie sollen den Stromverbrauch für den Kunden transparenter machen und ihm genau aufzeigen, wann er wieviel Strom verbraucht. Die Verbrauchswerte werden bei den meisten Modellen automatisch an das Versorgungsunternehmen übertragen. Für den Verbraucher hat das einige Vorteile: Durch die ständige Datenübermittlung können die monatlichen Zahlungen schneller angepasst werden, das vermeidet böse Nachzahlungs-Überraschungen am Ende des Jahres. Der Verbraucher kann einen zeitvariablen Stromtarif wählen, zahlt also in Niedertarif-Zeiten besonders wenig für seinen Strom. Smarte Wasch- und Spülmaschinen können mit dem Stromzähler kommunizieren und sich automatisch dann einschalten, wenn der Strompreis am günstigsten ist.

Den möglichen Einsparungen stehen allerdings die Anschaffungs- und Bereitstellungskosten für die intelligenten Geräte gegenüber. Nach einer von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young erarbeiteten Kosten-Nutzen-Analyse vom Sommer 2013 übertreffen die Kosten die möglichen Einsparungen. Ebenfalls in der Kritik: Die Datensicherheit. Durch die tagesaktuelle Übertragung an den Stromanbieter gibt der Kunde einiges von sich preis: Wann schaltet er das Licht an und aus, wann duscht er und wann sieht er fern? Der vertrauliche Umgang mit diesen Daten durch die Stromanbieter muss gewährleistet sein. Hacker-Angriffe, die Manipulation der übertragenen Strommenge und die schnelle Trennung vom Stromanschluss sind weitere kritische Stichworte im Umfeld des Smart Metering.



Die Kosten, die offenen Datenschutz-Fragen und die Verwundbarkeit der smarten Netze machen den schnellen Aufbau eines intelligenten Stromnetzes unwahrscheinlich. Schritt für Schritt aber könnten Netze, Stromzähler, Haushaltsgeräte tatsächlich zunehmend miteinander kommunizieren und so für Kosteneinsparungen und Gewinnen an Energieeffizienz sorgen.

Christina Stahl
Christina Stahl
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin
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