Alaska kämpft mit dem Klimawandel
Und Donald Trump ist weit weg

Die USA haben sich dank ihres Präsidenten Donald Trump gerade aus dem Klima-Kompromiss verabschiedet. Dabei hat das Land mit Alaska einen arktischen Bundesstaat, der vom Klimawandel besonders betroffen ist.
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FairbanksRichard Carroll ist nicht allzu gut auf Donald Trump zu sprechen. „Trump?“, fragt er. „Der kann froh sein, wenn er bei uns zehn Stimmen kriegt.“ Zehn Stimmen sind zu Hause bei Richard Carroll in Fort Yukon allerdings immerhin gut zehn Prozent.

Bei der zurückliegenden Wahl hatten sich 90 Bürger an der Abstimmung in dem kleinen Dorf in Alaska beteiligt. Die meisten von ihnen sind Ureinwohner und sie treibt vor allem eine Frage um: Wer hat eine Antwort auf den Klimawandel?

Die Polarregion ist wie keine andere auf der Welt von dem betroffen, was Donald Trump noch immer nicht wahrhaben will: dem Klimawandel. Die Temperatur steigt bedrohlich. Wenn es noch wärmer wird, sagen Einheimische, haben sie bald nichts mehr zu essen. Vor allem die Ureinwohner, die zur Wahrung der Würde ihrer Völker nur ungern auf Nahrungsimporte zurückgreifen wollen, leiden schon jetzt.

In Savoonga, einer der wohl isoliertesten Siedlungen Alaskas auf der St.-Lorenz-Insel in der Bering-Straße haben die Einheimischen vor ein paar Jahren noch 500 Walrosse gefangen. Im letzten Winter waren es fünf, erzählt Vi Waghivi, eine Einheimische, die inzwischen in Anchorage lebt.

Während in den „Lower 48“ – wie man in Alaska den Rest der Vereinigten Staaten nennt – zumindest Wissenschaftler noch nach Wegen suchen, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, sind in der Polarregion fünf Grad schon längst Realität. Das hat extreme Auswirkungen: Die Rentierherden verändern ihre Wanderrouten, zugefrorene Flüsse dienen mangels tragfähiger Eisdecke nicht mehr ausreichend lange als Verkehrswege, Walrosse haben keine Jagdgrundlage mehr.

Arktis im Aufruhr

Das ganze Leben in der Arktis ist im Aufruhr. „Die Winter werden milder, manchmal regnet es“, sagt Carroll. Schon 2007 hatte Alaskas damalige Gouverneurin Sarah Palin eine eigene Abteilung gegründet, die nach Lösungen für bedrohte Menschen und Dörfer suchen sollte. Hohe Millionenbeträge flossen in die Forschung.

Doch Palins Nachfolger Sean Parnell machte 2011 alles wieder rückgängig, der Geldhahn war plötzlich zu. Parnell hatte Angst, der Ölindustrie zu viel Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Donald Trump will jetzt auch noch den Bundesanteil eindampfen.

Der Immobilienmilliardär von der Ostküste ist ganz weit weg von den Nöten in Alaska. 15 Flugstunden und vier Zeitzonen, um genau zu sein. In Fort Yukon, einem ehemaligen Handelsposten für Felle, 13 Kilometer nördlich des Polarkreises gelegen und nur aus der Luft oder mühsam per Floß über den Yukon River zu erreichen, leben vor allem Ureinwohner vom Stamme der Gwitchin. Ungefähr 550 Menschen sind hier zu Hause, die Zahl ist in den vergangenen Jahren einigermaßen stabil.

„Meine Kinder sind mit 400 von ihnen verwandt“, sagt Richard Carroll. Er ist der Bürgermeister des Dorfes. „Ich empfehle allen, hier wegzugehen. Es gibt keine Jobs. Und die, die es gibt, die sind besetzt.“ Isolation und Alkoholismus seien die Folge.

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