Biosprit-Boom
Amerikas heißester Rohstoff

Die Landwirtschaft im Zentrum der USA erlebt einen noch nie da gewesenen Aufschwung. Vor allem in Nebraska, Iowa, Illinois, Wisconsin und Minnesota sprießen Ethanol-Fabriken wie Pilze aus dem Boden. Mais ist Amerikas heißester Rohstoff. Davon profitieren nicht nur die Farmer vor Ort, sondern auch viele deutsche Unternehmen wie Siemens, Degussa und WestLB.
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Die fensterlose Halle, etwa halb so groß wie ein Basketballfeld, ist noch leer. Nur auf drei flachen Tischen direkt an der Tür zu den zwei Büroräumen liegen auf weißen Tüchern einige Metallteile: verzinkte Einstiegstritte für Traktoren und Lastkraftwagen, Schutzgitter für Lüftungsfilter, an der Wand lehnt eine schwarz lackierte Metallleiter mit Handlauf. "Die gehört an einen Mähdrescher" sagt Mark Zumdohme, der US-Repräsentant der Metallverarbeitungsfirma Gräpel aus dem Münsterland. Vor einem Jahr wagten sich Zumdohme und seine Frau Heike hier nach Omaha, in die Mitte der Vereinigten Staaten - obwohl der 29-Jährige keine Auslandserfahrung hatte. In seinem Büro hängt die große blaue Schleife, die der Gouverneur von Nebraska persönlich bei der Eröffnung durchschnitten hat. "Grüßen Sie ihn schön von uns", sagt Heike Zumdohme und deutet auf ihren unverkennbar dicken Bauch. "Sagen Sie ihm, ein neuer Nebraskaner sei unterwegs."

Die beiden fühlen sich wohl im Mittleren Westen. Was sicher auch damit zusammenhängt, dass die Geschäfte gut laufen. "Schon bald wird sich die Halle füllen", sagt Zumdohme. Bisher macht Gräpel mit Zulieferteilen für landwirtschaftliche Maschinen und andere Nutzfahrzeuge rund 2,5 Millionen Euro Umsatz in den USA und Kanada, mit Kunden wie dem Traktorenhersteller John Deere und Caterpillar. Doch das soll bald deutlich mehr werden.

Denn die Landwirtschaft im Zentrum der USA erlebt einen noch nie da gewesenen Boom. Seit Präsident George W. Bush in seiner Rede an die Nation zu mehr Unabhängigkeit vom Öl aufgerufen hat und Staat und Bundesländer alternative Energieträger mit üppigen Steuervorteilen und Zuschüssen fördern, sprießen vor allem in Nebraska, Iowa, Illinois, Wisconsin und Minnesota Ethanol-Fabriken wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Vor sieben Jahren gab es in den USA erst rund 50, meist kleinere. Heute produzieren bereits über 150 den alternativen Treibstoff, der dann in der Regel normalem Benzin beigemischt wird. Weitere 50 Fabriken - meist mit deutlich größerer Kapazität - sind im Bau oder geplant. Der Preis für Mais, aus dem Ethanol-Mühlen den Treibstoff gewinnen, stieg zeitweise auf das Doppelte langjähriger Durchschnittspreise an, auf mehr als vier Dollar pro Bushel - ein Scheffel entspricht einem Volumen von gut 35 Litern.

Davon profitieren nicht nur die Farmer vor Ort, sondern auch viele Zulieferer. Darunter ganz vorne Firmen aus Deutschland. Siemens ist seit Jahren mit dabei, wenn es um die modernste Technologie für die Verwandlung von Mais in Kraftstoff geht, und hat nach eigenen Angaben seit 2000 für zwei Drittel der Ethanol-Fabriken in den USA die Prozessleitsysteme geliefert. Vor Kurzem schloss Siemens einen Zehn-Jahres-Vertrag über Ausrüstung und Software für ein Trainingscenter an der Southern Illinois University Edwardsville ab. Dort werden ehemalige Automobilarbeiter für einen Job in den Ethanol-Fabriken geschult.

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