Biosprit
Nachwuchshoffnungen füllen den Tank

Biosprit aus Raps und Mais – das stößt nicht nur auf Zustimmung. Denn der massenhafte Anbau von Getreide für ökologische Treibstoffe konkurriert mit der Nahrungsmittelindustrie. Die Lösung: Alternative Energiepflanzen. Wie sie die Ökobilanz verbessern können.
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DÜSSELDORF. Bioenergie vom Acker am Stadtrand – das klingt zunächst verlockend. Bei genauerer Betrachtung erweist sich die flächenintensive Energieproduktion aus Pflanzen allerdings als problematisch: Sie konkurriert mit dem Anbau von Nahrungsmitteln, außerdem erfordert die Herstellung des Düngers große Mengen an Energie, was die Energie- und CO2-Bilanz der Bio-Brennstoffe deutlich verschlechtert. Kein Wunder also, dass Biodiesel, Bioethanol und mit ihnen die gesamte Biomasse-Branche in die Kritik geraten sind.

Vor allem Mais und Raps werden in Deutschland als Energiepflanzen eingesetzt. Ein Resultat sind einseitige Fruchtfolgen – und die sind problematisch: Sie ziehen Schädlinge an, daher müssen die Landwirte viele Pestizide versprühen. Hier könnte man einiges verbessern: „Durch den Einsatz alternativer Energiepflanzen können bessere Fruchtfolgen im Anbau erreicht werden, was die Menge an Düngemitteln und Pestiziden vermindert“, sagt Henryk Stolte von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. „Zudem können Forscher belegen, dass sich Vielfalt auf dem Acker auch positiv auf die Vielfalt in der umgebenden Natur auswirkt.“

Darum setzt die Wissenschaft für die Zukunft auf ein breites Artenspektrum zur Biomasse-Produktion. Neue Energiepflanzen würden auch die Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau entschärfen, denn mit ihnen lassen sich neue Gebiete – zum Beispiel Deponieflächen oder schlechte Böden – erschließen. Außerdem eignen sie sich auch zur Bergbau-Rekultivierung. „Die Aufnahme von Schadstoffen aus belasteten Böden ist dabei ein gewünschter Effekt“, sagt Stolte. „Für eine gezielte Flächensanierung könnte man schnell wachsende Baumarten wie Pappeln oder Robinien verwenden.“ Sie können zum Beispiel als Rohstoff für Biokraftstoffe der zweiten Generation dienen (BtL, Biomass to Liquid).

Die Biokraftstoffe der ersten Generation – etwa Biodiesel und Bioethanol – sind auch deshalb wenig effektiv, weil sie nur aus den Samen und Körnern der Pflanzen hergestellt werden – während der Rest ungenutzt bleibt. Das begrenzt die Erträge: Pro Hektar lässt sich so eine Energiemenge erzeugen, die gerade einmal 1200 bis 1600 Litern konventionellem Kraftstoff entspricht.

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