Bodenschätze und Schiffsrouten
Arktis-Erwärmung weckt Begehrlichkeiten

Unter dem Eis der Arktis schlummern kostbare Bodenschätze. Der globale Treibhauseffekt eröffnet Aussichten, sie in nicht allzu ferner Zukunft erschließen zu können. Das Rennen um die besten Plätze hat schon begonnen.
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Lancaster SoundAuf ihrer Oberfläche sieht die nördliche Küste von Baffin Island in der Arktis unwirtlich aus – eine raue Welt mit schneebedeckten Gipfeln und Gletschern inmitten eines Sees von treibendem Eis, sogar mitten im Sommer. Aber unter der gefrorenen Schale der fünftgrößten Insel der Welt lagern reiche Vorkommen an ungewöhnlich reinem Eisenerz. So viel davon, dass die Baffinland-Mine vermutlich Hüttenwerke Jahrzehnte lang am Laufen halten könnte.

Und nicht nur das. Die US-Behörde Geological Survey (USGS) schätzt, dass innerhalb des nördlichen Polarkreises bis zu 30 Prozent der bisher unentdeckten Gas- und 13 Prozent der weltweiten Ölvorkommen schlummern. Und wertvolle Minerale zusammen mit seltenen Elementen, Lithium und Kobalt, die etwa in Batterien elektrischer Autos verwendet werden.

Aber angesichts der rauen eisigen Bedingungen zählt die Arktis mit ihrer berühmten Nordwestpassage – dem knapp 5800 Kilometer langen Seeweg nördlich der amerikanischen Küste, der den Pazifik mit dem Atlantik verbindet – zu den letzten Regionen auf der Welt, die bisher weitgehend unerforscht geblieben sind.

Der Kampf ist in vollem Gange

Doch nun zieht sich das Eis im Zuge der globalen Erwärmung stetig weiter nordwärts zurück – und es ist bereits von einem zu erwartenden „Goldrausch“ in der Arktis die Rede. Dabei geht es nicht nur um die reichhaltigen natürlichen Ressourcen unter dem Eis, sondern auch um wertvolle Schiffsrouten und potenziell lukrative Aussichten für das Tourismus- und Fischereigewerbe.

Eine stärkere Nutzung der Nordwestpassage allein könnte dramatisch neue Zukunftschancen eröffnen. Die Reiseentfernung von Ostasien nach Westeuropa würde sich um mehr als 10.000 Kilometer verkürzen, verglichen mit der traditionellen Route durch den Panama-Kanal. Das würde enorme Kraftstoffeinsparungen bedeuten.

So ist denn der Kampf um die Arktis auch schon in vollem Gange. US-Präsident Donald Trump hat im April von seinem Vorgänger Barack Obama erlassene Beschränkungen bei Ölbohrungen aufgehoben.

Grönland beansprucht mit Blick auf etwaige künftige Schürfrechte den Lomonossow-Rücken für sich, der sich auf einer Länge von etwa 1800 Kilometern im Arktischen Ozean erstreckt. Russland wehrt sich dagegen, hat vor zehn Jahren am Nordpol eine Unterwasser-Flagge gepflanzt und baut die Infrastruktur an seiner nördlichen Küste aus.

Kanada argumentiert, dass sich das arktische Archipel in seinen Gewässern befinde und hat seine Präsenz in der Region verstärkt, unter anderem ein neues arktisches Forschungszentrum eingerichtet. Die USA fechten Kanadas Anspruch an, zumal er Ottawa das Recht geben könnte, die freie Fahrt durch die Nordwestpassage zu unterbinden.

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