Den Klimawandel bekämpfen
Mikroalgen retten die Umwelt

Mit Algen den Klimawandel bekämpfen und gleichzeitig Biosprit gewinnen - was sich wie eine spinnerte Idee anhört, könnte bald Realität werden. Weltweit experimentieren Forscher mit Anlagen, in denen Mikroalgen das klimaschädliche Gas Kohlendioxid vertilgen. Aus dem Fettanteil der so gepäppelten Wasserpflanzen wollen sie dann Biodiesel gewinnen.

POTSDAM. Besonders erfolgreich bei der Züchtung von Mikroalgen ist das Institut für Getreideverarbeitung in Nuthetal - einem kleinen Ort in der Nähe von Potsdam. Die Forscher haben ein sogenanntes 3D-Matrix-System entwickelt, in dem zwei- bis dreimal so viele Mikroalgen wachsen wie in üblichen Reaktoren aus Glasrohren. "Bei einem Pilotversuch in den USA konnten wir an einem Tag über 170 Gramm pro Quadratmeter ernten", sagt Otto Pulz, stellvertretender Geschäftsführer des ehemaligen DDR-Instituts, das nach der Wende privatisiert wurde und heute zu den weltweit führenden Firmen in der Algenforschung zählt.

Die Potsdamer Biotechniker entwickeln seit mehr als zehn Jahren Anlagen zur Algenzüchtung und haben inzwischen über 80 Reaktoren verkauft. Die weltweit größte Anlage steht in Klötze in Sachsen-Anhalt und produziert rund 130 Tonnen Mikroalgen pro Jahr. Fünfhundert Kilometer lange, armdicke Glasrohre, durch die grünliches Wasser fließt, schlängeln sich durch die Hallen, die wie Gewächshäuser aussehen. Das Wasser wird mit einer Startkultur versetzt, dann vermehren sich die Winzlinge mit Hilfe von Licht und Kohlendioxid. Am Ende der Anlage konzentriert eine große Zentrifuge die Flüssigkeit zu einer dicken grünen Grütze, die getrocknet wird. Das Ergebnis sind reinste Mikro-Algen - als feines grünliches Pulver in Säcke verpackt.

Das Algenpulver wird als Zusatz zu Nahrungsmitteln oder für Kosmetika genutzt. Schon lange hatte Pulz die Idee, dass man die Mikroalgen auch zur Herstellung von Biosprit nutzen könnte. Seit Anfang des Jahres arbeiten die Potsdamer für das amerikanische Start-up Greenfuel, das in den USA die Gewinnung von Treibstoff und Reduzierung von CO2 mit Hilfe von Mikroalgen vorantreibt - und das direkt neben Kohlekraftwerken, wo CO2 en masse anfällt.

Die Idee ist simpel. Die Kraftwerksabgase werden durch sonnenbeschienene, transparente Systeme geleitet. In den Reaktoren schwappt eine Suppe aus Wasser, einigen Nährstoffen und schnell wachsenden, fettreichen Mikroalgen. Die Rauchgase - sie bestehen aus CO2 und Stickoxiden - perlen in feinen Bläschen durch die Algensuppe. Sie wirken wie ein Dünger und werden gierig von den Algen verbraucht. "Durch Fotosynthese und Wachstum verwandeln die Mikroorganismen die Gase in Sauerstoff und noch mehr Algen", erklärt der Potsdamer Biotechniker.

Die Mikroalgen werden abgetrennt und zu Treibstoffen verarbeitet - ihr Fettanteil zu Diesel, die Kohlenhydrate zu Ethanol. Umgerechnet 7 600 Tonnen Biodiesel pro Jahr und Quadratkilometer erwartet Greenfuel-Chef Cary Bullok. Und aus den Resten ließen sich noch rund 4 100 Tonnen Ethanol gewinnen. Damit seien Algen bis zu 30 Mal ergiebiger in der Ölausbeute als zum Beispiel Raps oder Sonnenblumenkerne.

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