Desertec
Das Stromabenteuer in der Wüste

Das ehrgeizige Wüstenstromprojekt Desertec will bis Ende 2012 ein Konzept für riesige Solar- und Windparks in den Wüsten Nordafrikas und des Mittleren Ostens aufstellen - sie sollen Europa mit Strom versorgen. Noch muss das Projekt aber viele Probleme lösen. Es fehlt vor allem ein Hochleistungsnetz für den Stromtransport.
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BARCELONA. Die EU-Kommission will das Wüstenstromprojekt Desertec massiv unterstützen. „Wir setzen uns dafür ein, die Energienetze in Europa deutlich zu verbessern“, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Barcelona.

Bereits im November will er dazu einen Plan in Brüssel vorlegen. „Es geht darum, eine ähnlich hohe Qualität und Leistungsfähigkeit wie bei Auto- und Datenautobahnen zu schaffen“, sagte er bei der ersten Jahrestagung der Desertec Industrie Initiative DII.

Bis 2050 sollen 15 Prozent des Stroms aus der Wüste kommen

Nur wenn ein solches Hochleistungsnetz rechtzeitig entsteht, wird die Vision der DII Wirklichkeit: Die darin zusammengeschlossenen internationalen Konzerne wollen Strom mit Wind- und Solarkraftwerken in den Wüsten Nordafrikas und des Mittleren Ostens produzieren und dann zum Teil nach Europa transportieren. Bis 2050 sollen die Wüstenkraftwerke 15 Prozent des europäischen Stroms decken.

Dafür reichen die vorhandenen Stromnetze von Nordafrika nach Europa jedoch bei weitem nicht aus. Außerdem ist nicht klar, wer die künftigen Hochleistungsnetze baut und finanziert. Und außerdem scheitern solche Netze momentan daran, dass es noch keinen durchlässigen europäischen Strommarkt gibt.

Paul van Son, Chief Executive Officer (CEO) von DII, muss also noch viele Probleme lösen, um das auf 400 Mrd. Euro geschätzte Wüstenstromprojekt anzuschieben. Beim Netzproblem erhält er zumindest Unterstützung von einer neuen Organisation. Am 15. November startet die Medgrid-Industry-Initiative, die sich ausschließlich darauf konzentriert, in den kommenden Jahren ein Hochleistungsnetz im Mittelmeerraum vorzubereiten.

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  • @gerhardq - Großkraftwerk: Warum wohl bauen die Energieversorger Großkraftwerke? Weil der Aufwand pro erzeugter MWh geringer ist, sprich weil Strom wirtschaftlicher erzeugt werden kann als dezentral. Und weil ich in Großkraftwerken Technologien und brennstoffe einsetzen kann, die eben nicht so einfach sind.
    Desertec reiht sich positiv hier ein, auch diiese Technik ist nicht im Kleinen wirtschaftlich.
    Und zu ihrer Kritik mit dem Strom im eigenen Land: Erstmal sind die Länder doch auf die Einnahmen angewiesen. Ein marokkanischer Freund sagte mir mal "Das ist wie mit den Tomaten, die wir für den Export produzieren. Wenn wir die nicht verkaufen, haben wir auch keine Einnahmen und sie verfaulen. beim Öl wäre das was anderes, das könnte man zurückhalten und später verkaufen".

  • Ja die Kleinbauern werden ja durch Viehhaltung, dazu gehörigen Sojaanbau und Gentechnik vertrieben.

    Dabei kann man wom Sojaanbau schon alleine leben, wenn den Tofu die Menschen essen und nicht die Kühe.

  • und wieder ist ein Subventionsprojekt eröffnet an dem viele mitverdienen wollen und nix kommt dabei raus.

    Staub und Hitze sind ein großes Problem in Nordafrika besonders bei großen Anlagen.
    Folge: die Kosten des Stroms sind viel höher als viele heute glauben wollen.

    Die billigste Energiequelle ist das Energiesparen besonders im verschwenderischen Norden dieser Welt.

    Das heißt 50% des jetzigen Stroms müssen wir gar nicht erzeugen bei sparsamen Umgang und das ist dann der komplette Kohlestrom.

    Danach kommt zuerst eine solare Energieerzeugung für die Länder in sonnigen Gegenden selbst.
    Dazu müssen sie dann auch kein Erdgas oder Erdöl mehr einsetzen.
    Dezentrale Anlagen für Strom und Warmwasser in den Dörfern mindern die Rückständigkeit und die Landflucht. Alternativ sind Mikro-biogasreaktoren einsetzbar zum Kochen mit Gas, auch um die Methanemissionen der Exkremente zu mindern.

    Fazit: Megaprojekte dieser Art sind zum Scheitern verurteilt ohne Riesensubventionen. Zum Glück ist die Verschuldung schon hoch.

    Warum haben die Kleinbauern der dritten Welt keine biogasreaktoren, Solarkocher und PV-Module, um die nötigsten Energieanforderungen zu erfüllen für ein menschenwürdiges Leben?

    Pro Kleinbauer sind da vielleicht 200€ nötig. bei 1 Milliarde bauern mit ihren Familien sind dann 200 Milliarden Euro.

    Folge: weniger Landflucht, weniger Abholzung, weniger Ölverbrauch, weniger Hunger

    eine bessere Welt.

    Wieviel Euro gibt Herr Niebel für dieses Thema aus?

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