Energie selbst erzeugen
Hausgemachte Energie

Viele Immobilienbesitzer nutzen bereits erneuerbare Energien. Doch egal ob privater Eigentümer, institutioneller Investor oder öffentliche Hand: Selten steckt eine Strategie dahinter und deshalb werden längst nicht alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft, die der Markt längst bietet. Vor allem im Neubaubereich wird noch zu wenig auf die Kombination verschiedener alternativer Energieträger gesetzt. Die neue Zentrale der Juwi-Gruppe in Wörrstadt ist da anders.

BERLIN. Der Projektentwickler von Windkraft-, Solar- und Biomasseanlagen ließ sich ein Bürogebäude bauen, das weltweit zu einem den energieeffizientesten Bauwerken zählt. Der zwölf Meter hohe und 100 Meter lange Neubau mit 8 000 Quadratmetern (qm) Nutzfläche in Holzbauweise ist gleich mit mehreren Photovoltaikanlagen ausgestattet. Sie liefern 210 Kilowatt Leistung. Die Wärmeversorgung geschieht über eine Biogas-Solar-"Energiekabine". Zudem sorgt die Lüftungsanlage für eine Wärmerückgewinnung und die Dämmung entspricht dem Passivhausstandard. Verschattungen an der Fassade schützen vor einer Aufheizung des Gebäudes im Sommer. Und auch das warme Wasser liefert die Sonne: über Solarkollektoren.

Ergebnis: "Das Haus erzeugt mehr Strom und Wärme, als Gebäude und Büros verbrauchen", sagt Hellfried Gugel, technischer Leiter der auf nachhaltige Baustoffe spezialisierten österreichischen Griffner Haus AG. Nachts wird Wasser im Kühlwerk auf dem Dach gekühlt, im Sprinklertank gespeichert und tagsüber zur Raumkühlung in die Bodenrohre geleitet. Um den Energiebedarf zu senken, verwendet Juwi Laptops statt PCs. "Insgesamt werden wir unsere Energiekosten drastisch reduzieren", resümiert Vorstand und Mitgründer Matthias Willenbacher. Die Nebenkosten kalkuliert er auf zwei Euro pro qm jährlich - gerade ein Zehntel dessen, was in einem konventionell gedämmten und ausgestatteten Gebäude anfallen würde. Das sei besonders deshalb erstaunlich, weil das Gebäude sehr großzügig angelegt ist: mit offenen Kommunikationsbereichen und Freizeitanlagen, so Gugel. Die zehn Mio. Euro Bauvolumen seien dabei höher als die durchschnittlichen Kosten für Standardgebäude, räumt Gugel ein, doch dürften sie sich rasch amortisieren.

Ein ganz anderes Konzept realisierte die CBP Consulting Engineering beim Hochhausneubau der Süddeutschen Zeitung, der im Oktober bezogen wird. Um die Lebenszykluskosten und den Primärenergiebedarf zu minimieren, hat sie verschiedene Energieversorgungskonzepte in einem computergestützten Planungsprozess ökonomisch wie ökologisch analysiert. Daraus ergab sich eine Kombination mehrerer Energie- und Gebäudetechnikelemente. Für die Grundlast sorgt eine geothermische Wärme- und Kälteversorgung: Über eine Betonkernaktivierung, also Rohren in den Bürodecken und dem Atriumboden, wärmt oder kühlt Wasser die Räume.

Entscheidend ist, dass der Energiebedarf relativ niedrig ist, weil statt einer zentralen Klimaanlage ein dezentrales Lüftungssystem aufgebaut wurde. Anders als bei Hochhäusern üblich, gibt es eine natürliche Be- und Entlüftung über die Doppelfassade sowie eine Wärmerückgewinnung. Jeder Mitarbeiter kann dezentrale Fassadenlüftungssysteme mit Heiz- und Kühlfunktion einzeln zuschalten, um sich wohl zu fühlen. "Das Gesamtkonzept ist nicht mehr als fünf Prozent teurer gegenüber konventioneller Bauweise und dürfte sich in weniger als fünf Jahren amortisiert haben", sagte CBP-Vorstand Christian Dietl dem Handelsblatt.

Strom wird im Gebäude jedoch nicht produziert. Dagegen ist der Burj Al-Taqa Energy Tower in Bahrein ein Nullprimärenergie-Hochhaus. Es ist nicht nur energieeffizient, sondern erzeugt die von ihm benötigte Energie selbst. Das von Gerber Architekten International in Düsseldorf für den Mittleren Osten entwickelte Konzept basiert auf traditioneller arabischer Architektur: Wind wird für Kühlung, Be- und Entlüftung des Gebäudes genutzt. Dies und weitere Maßnahmen reduzieren den Energiebedarf um 60 Prozent gegenüber Standardhochhäusern gleicher Grüße. Ökostrom liefern eine Windkraftanlage auf der Spitze des 322 hohen Gebäudes und ein mit Solarzellen beschichteter Sonnenschild. Dieser rotiert mit der Sonne um das Gebäude und schützt es vor Aufheizung. Bei der Frischluftzufuhr wird die heiße Außenluft über Kanäle am Meeresgrund und im Erdreich vorgekühlt und mittels Solarenergie auf angenehme Temperaturen weitergekühlt.

Vorbilder

Viele Städte und Kommunen setzen auf die Kombination verschiedener erneuerbarer Energieträger. Dazu gehört zum Beispiel Morbach im Hunsrück. Die Gemeinde nutzt Wind-, Solar- und Bioenergie. Wolfhagen in Hessen erhielt im September die Auszeichnung "Energie-Kommune" für ihr Projekt, das den Kauf des Stromnetzes und eine ausgeglichene CO2-Bilanz bis 2015 beinhaltet.



Zahlreiche Praxisbeispiele finden sich im Internet, zum Beispiel bein Informationsportal www.kommunal-erneuerbar.de. Aber auch ein gedruckter Ratgeber ("Erneuerbare Energien in Kommunen optimal nutzen") liefert praktische Hilfen. Herausgeber ist das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin.

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