Energie und Umwelt
Wettlauf um Effizienz

Die großen Produzenten von Gasturbinen haben einen Wettlauf um Effizienz gestartet - und überbieten sich mit umweltfreundlichen Lösungen. Dennoch hat Erdgas hierzulande alles andere als einen leichten Stand.
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Köln An die ehrgeizigen Pläne deutscher Konzernchefs haben sich die Bewohner des oberbayerischen Ortes Irsching längst gewöhnt. Das nahegelegene Kraftwerk an der Donau war bereits in den 70er-Jahren der wichtigste Energielieferant der Region. Seither prägen die rot-weißen Schornsteine der Anlage die Landschaft. Vor drei Jahren kam ein neuer Koloss ins Dorf: Siemens installierte die bis dato größte und leistungsstärkste Gasturbine der Welt. 13 Meter ist sie lang und 440 Tonnen schwer. Eine einzige dieser Turbinen der sogenannten H-Klasse reicht aus, um eine Großstadt wie Hamburg mit Strom zu versorgen.

In wenigen Wochen will Siemens dem beschaulichen Irsching einen weiteren Superlativ verpassen: Dann soll die Anlage im Zusammenspiel mit einer nachgelagerten Dampfturbine erstmals einen Wirkungsgrad von 60 Prozent erreichen - und damit effizienter als jedes andere Gaskraftwerk arbeiten. "Weltrekord", jubeln Siemens-Manager schon jetzt.

Die großen Produzenten von Gasturbinen haben einen Wettlauf um Effizienz gestartet. Weniger CO2-Ausstoß und eine höhere Energieausbeute versprechen die Hersteller für ihre neuen Produkte. Den Konzernen geht es dabei nicht darum, ihr Öko-Image aufzupolieren - sondern um Marktanteile: "Energieeffizienz ist für uns der zentrale Faktor für den Geschäftserfolg", sagt Lothar Balling, der bei Siemens den Geschäftszweig Gaskraftwerke verantwortet. Konkurrent General Electric (GE) verfolgt eine ähnliche Strategie - dessen H-System-Turbinen sollen ebenfalls die Marke von 60 Prozent Wirkungsgrad überschreiten. "Effizienzsteigerung und Flexibilisierung stehen derzeit eindeutig im Fokus", sagt Magued Eldaief, Vertriebsleiter der GE-Kraftwerkssparte.

Aufwendige Entwicklung

Die Brennstoffausgaben sind für die Abnehmer der Gasturbinen mit Abstand der wichtigste Kostenanteil. Ein nur leicht gesteigerter Wirkungsgrad fällt bereits stark ins Gewicht: Wer die neue Siemens-Turbine einsetzt, wird im Vergleich zum Durchschnitt der europäischen Gaskraftwerke aufgrund des geringeren Verbrauchs zwölf Prozent der laufenden Kosten einsparen können.

Über eine halbe Milliarde Euro hat die Entwicklung der H-Klasse gekostet. Doch der Aufwand lohnt sich: "Die Investition ist bereits heute ein kommerzieller Erfolg", sagt Manager Balling. Sechs Stück der neuen Turbinengeneration hat Siemens in den USA verkauft, vor vier Wochen erwarb auch der koreanische Energieerzeuger GS EPS ein Modell. Weitere Gespräche laufen mit Interessenten aus den Niederlanden, Russland und der Türkei.

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