Geschäftschance Umweltdebatte
Bayer investiert kräftig in Emissions-Senkung

Der Leverkusener Chemiekonzern Bayer geht offensiv mit seiner Stellung als Umweltverschmutzer um - das Problem wird nicht geleugnet und an Lösungen wird gearbeitet. Allerdings geht es nicht nur darum, guten Willen zu demonstrieren: das Engagement soll sich am Ende auch wirtschaftlich auszahlen.

LEVERKUSEN. Bayer macht kein Geheimnis daraus, ein Emittent von Treibhausgasen zu sein. Wie die Chemieindustrie ja ohnehin nicht verhehlen kann, mit ihrer Produktion schon mal die Umwelt zu belasten. "Uns ist das bewusst", bekennt Bayers Vorstandsvorsitzender Werner Wenning. Zugleich will der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern den Klimaschutz verstärken. "Wir helfen mit Lösungen", so lautet das Motto des gestern vorgestellten Programms, mit dem Bayer binnen drei Jahren eine Mrd. Euro in Projekte und Produkte zum Klimaschutz investieren will.

Das "Bayer Climate Program" könnte auch unter der Überschrift stehen: Wir sehen die Probleme, suchen nach Lösungen und wollen am Ende damit Geld verdienen. Wenning formuliert das lieber so: "Bayer ist ein kompetenter Partner für innovative Lösungen, die helfen, uns auf die Folgen des Klimawandels einzustellen." Denn ohne ökonomischen Erfolg lasse sich der ökologische Fortschritt schlicht nicht bezahlen.

Die Entwicklung innovativer Produkte zum Klimaschutz sei für Bayer ein Konzept für weiteres Wachstum, sagte Wenning. Die Leverkusener wollen dies gleich mit einer ganzen Reihe von Produkten erreichen, die aus den verschiedensten Bayer-Bereichen kommen sollen: etwa mit Kunststoffen für eine neuartige Gebäudedämmung oder mit biotechnisch veränderten Pflanzen, die widerstandsfähiger gegen Hitze und Trockenheit sein sollen und dadurch einen höheren Ernteertrag versprechen. Zudem treibt Bayer die Entwicklung von Pflanzen als Rohstoff für Biokraftstoffe voran.

Neben der Forschung & Entwicklung soll das Geld für Projekte ausgegeben werden, die den Energieverbrauch in der Produktion senken - was ein nicht ganz einfaches Unterfangen ist -, soll doch gleichzeitig die Produktion in den nächsten Jahren deutlich ausgeweitet werden. Daher lautet die Losung beispielsweise im Teilkonzern Materialscience (Kunststoffe), die CO2-Emissionen pro Tonne Verkaufsprodukt im Vergleich zum Wert aus dem Jahr 2005 um 25 Prozent zu reduzieren. Bei den weniger energieintensiven Geschäften Pharma und Pflanzenschutz fällt das leichter, hier lassen sich selbst bei einem weiteren Wachstum absolute CO2-Reduzierungen erreichen. Die Pflanzenschutztochter Cropscience soll 15 Prozent einsparen. Bei der Gesundheitssparte Healthcare sind es fünf Prozent Verringerung. Bereits von 1990 bis 2006 habe der Konzern seinen Ausstoß von Treibhausgasen um gut ein Drittel gesenkt.

Die Verbesserungen lassen sich mit neuen Produktionsverfahren und mit neuen chemischen Reaktionswegen erreichen, machte Wolfgang Plischke, im Bayer-Vorstand für Forschung zuständig, deutlich. So lasse sich mit einem neuen Verfahren zur Herstellung von TDI, einem wichtigen Ausgangsstoff für Polyurethane, 40 bis 60 Prozent an Energie einsparen. Das Verfahren wird in der neuen Großanlage in Schanghai eingesetzt, die mit einer Kapazität von 300 000 Jahrestonnen im Jahr 2011 in Betrieb gehen soll.

Zudem führt Bayer konzernweit eine Methode ein, mit der die einzelnen Produktionsanlagen durchleuchtet werden sollen. Bis Ende 2009 sollen Mitarbeiter damit Möglichkeiten zur Verbesserung in den 100 Produktionsanlagen ermitteln, die für rund 85 Prozent der von Bayer verursachten Treibhausgase stehen. Die CO2-Reduktion soll durch neue Pumpensysteme erreicht werden, aber auch über komplexe Verbindungen von Wärmeströmen bis hin zum Einsatz von Mikroreaktoren.

Auch die Mitarbeiter werden sich nach Willen Wennings umstellen müssen. Firmenflüge werden reduziert, im Gegenzug die Konferenz-Technik ausgebaut. Und es soll Anreize zur Nutzung CO2-emissionsarmer Dienstfahrzeuge geben, und Werksfahrzeuge sollen an den Standorten auf Erdgas umgestellt werden.

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