Geschäftspolitik
Allianz hat neues Klimakonzept

Immer mehr Finanzinstitute behaupten, ganz oder teilweise klimaneutral zu arbeiten oder dies anzustreben. Was vielversprechend klingt, betrifft aber nur einen winzigen Teil der Aktivitäten etwa von Swiss Re, KfW Bankengruppe und HSBC: die hausgemachten Emissionen. Der Allianz geht das nicht weit genug. Wie der Finanzkonzern die Folgen der eigenen Geschäftspolitik bewertet.

BERLIN. Die Finanzbranche finanziert und versichert die Wirtschaft und ist daher indirekt mitverantwortlich für einen großen Teil der Treibhausgasemissionen. Doch wie groß ist dieser „CO2-Fußabdruck“? Um das herausfinden und ihre Klima- und Produktstrategie danach ausrichten, startete die Allianz eine dreijährige Kooperation mit der Umweltschutzorganisation WWF International, in die sie fünf Millionen Euro steckt. Die schwierigste Aufgabe ist dabei, eine zuverlässige, anerkannte Methode zu entwickeln, um die indirekten Klimaeffekte, die ein Finanzkonzern mit seiner Geschäftspolitik auslöst, zu messen.

„Weil die Allianz Kreditgeber, Versicherer und Vermögensverwalter ist, bietet sich die einmalige Gelegenheit, für alle Felder Messmethoden und Lösungen zu finden“, sagte James P. Leape, Generaldirektor des WWF International, dem Handelsblatt. „Die Erkenntnisse sollen zum Innovationstreiber für unsere Produkte und Dienstleistungen in allen Bereichen werden“, erläuterte Allianz-Vorstand Joachim Faber. Der Konzern will dadurch zum internationalen Branchenvorreiter werden. Es ergebe sich ein Wettbewerbsvorteil, wenn das Institut früher als Konkurrenten seine Risiken umfassend senke sowie Entwicklung und Verbreitung von Technologien und Diensten zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel gezielt fördere. Eine denkbare, aber offiziell noch nicht genannte Konsequenz könnte sein, dass Versicherungen und Kredite für stark emittierende Industrien teurer werden.

Wann tatsächlich messbare Ziele formuliert und konkrete Maßnahmen ergriffen werden, ist noch unklar – erst müssen die Forschungsergebnisse vorliegen. Ziel der Partnerschaft ist auch, die gesamte Branche in Bewegung zu bringen. 2007 habe sich zwar beim Wissen um den Klimawandel viel getan. „Doch in der Breite wird das Phänomen noch nicht verstanden“, sagt Faber. Das bestätigt eine aktuelle Studie von Germanwatch, einer Organisation, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzt. Die Finanzwirtschaft, so heißt es dort, hält die systematische Beachtung von Klimarisiken und -chancen zwar für erforderlich. Doch sei ihr unklar, wie sie das operativ bei Investitionsentscheidungen und Produkten umsetzen könne.

„Wir hoffen, Werkzeuge zu entwickeln, die die Klimapolitik der gesamten Finanzbranche verändern können“, sagt Leape. „Die Geschäftsmodelle müssen an die Notwendigkeit und Anforderungen einer emissionsarmen Wirtschaftsweise angepasst werden“, erläutert Faber. Der Vorstandschef von Allianz Global Investors, der Anlagesparte des Konzerns, will den Anstoß für branchenweit akzeptierte Investitionsleitlinien geben.

In eine ähnliche Richtung arbeitet die Münchener Rück. Sie integriert Klimaaspekte systematisch in die Aktienanalyse und beachtet sie bei neuen Anlagen. Der Konzern will bis 2012 klimaneutral arbeiten, ermittelt aber laut eigenen Angaben, anders als die Allianz, nicht die indirekten Emissionen seiner Geschäfte. Germanwatch widmet sich Verfahren und Instrumenten zur Integration von Klimafaktoren in die Vermögensverwaltung. Gemeinsam entwickeln sie Versicherungen gegen klimabedingte Schäden in Entwicklungsländern. Der Rückversicherer erforscht seit 30 Jahren Klimarisiken, um sie bei Tarifgestaltung und Produkten zu berücksichtigen.

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