Hohe Biosprit-Nachfrage
Europa bringt Malayen auf die Palme

War malaysisches Öl bisher in Nahrungsmitteln und Kosmetikartikeln zu finden, eröffnet die Biodiesel-Option den Plantagenbesitzern nun neue Einnahmequellen: In Kraftstoff verwandeltes Palmöl wird für Malaysia zum Exportschlager. Doch Naturschützer warnen.

PENANG. Der wachsende Bedarf nach Biodiesel in Europa kommt in einem südostasiatischen Staat kräftig an: In Malaysia boomt die Palmöl-Produktion zur Gewinnung von Biodiesel. Rund fünf Mill. Tonnen davon wird Malaysia bis Jahresende erzeugen und überwiegend nach Europa verschiffen. „Die Regierung hat 75 Biodiesel-Projekte zugelassen“, sagt der Minister für Plantagen, Industrie und Wirtschaftsgüter Peter Chin Fah Kui. 72 Unternehmen seien in die Projekte eingebunden.

Der Staat nahe am Äquator verfügt als weltgrößter Palmölproduzent über 20 Jahre Erfahrung, wenn es darum geht, Palmöl zu gewinnen und zu nutzen. Palmöl aus Malaysia wird auch zahllosen Nahrungsmitteln und Kosmetikartikeln beigefügt. Durch die Biodiesel-Option eröffnen sich malayischen Plantagenbesitzern nun neue Einnahmequellen. Als Folge zieht momentan der Marktpreis von Palmöl kräftig an.

Der Biodiesel-Kraftstoff wird in Malaysia laut Chin zuerst in Bussen, Taxis, Militärfahrzeugen und Ölpalmmühlen zum Einsatz kommen. Bis Jahresende soll eine Biodieselvorschrift die Ausgaben für den Kraftstoffimport reduzieren und die Nachfrage nach Palmöl anzuheizen. Malaysia bereitet den verpflichtenden Wechsel von Diesel auf Biokraftstoff zum Jahr 2008 vor.

Der Großteil des Biodiesels geht allerdings in den Export und wird über den Ölhafen in Port Dickson – nahe bei Kuala Lumpur – nach Europa verschifft. Die europäische Biotreibstoff-Richtlinie schreibt für die Mitgliedstaaten der EU seit 2005 den Gebrauch eines zweiprozentigen Biotreibstoff-Gemischs vor. Bis 2010 soll der Anteil auf 5,75 Prozent erhöht werden. Deutschland hat die Beimengung von Biokraftstoff zu Diesel auf fünf Prozent festgeschrieben.

Zwischenzeitlich denkt der malayische Plantagen-Gigant IOI Corp über den Bau einer Biodiesel-Raffinerie in Europa nach, „Unsere Priorität wird Europa sein. Wir möchten eine Raffinerie nahe am Markt mit der höchsten Nachfrage haben“, sagt der Chef der IOI-Gruppe Tan Sri Lee Shin Cheng. Die IOI-Gruppe besitzt bereits eine 700 000-Tonnen- Raffinerie in Rotterdam, die Palmöl in Spezialfette für die Nahrungs- und Lebensmittelindustrie umwandelt.

Vorbereitet wird unterdessen auch die Fusion der drei größten Palmöl-Unternehmen Malaysias. Sie soll Ende 2007 abgeschlossen sein. Durch die Verschmelzung der Sime Darby, der Golden Hope Plantations und der Kumpulan Guthrie mit sechs kleineren Firmen entsteht das fünftgrößte Unternehmen des Landes, dessen Marktanteil am globalen Palmöl-Ausstoß rund acht Prozent betragen wird.

Nach wie vor gibt es einige technische Probleme mit dem Kraftstoff aus Palmöl, die noch zu lösen sind. Bisher ist der Gebrauch von Palmöl bei winterlichen Temperaturen nicht zuverlässig. Jetzt hat Shell eine Zusammenarbeit im Bereich der Biodiesel-Forschung mit dem malayischen Palmöl-Ausschuss Malaysian Palm Oil Board (MPOB) bekannt gegeben. Damit beteiligt sich erstmals in Malaysia eine multinationale Ölfirma an der Biotreibstoff-Forschung. Die Biodiesel-Herstellung hat eine Kehrseite: In den letzten Jahrzehnten hat Malaysia große Flächen an Regenwald in Palmöl-Plantagen umgewandelt. Proteste in Europa führten in 2006 zu einem spürbaren Einbruch der Palmölexporte. Kürzlich wurden einige malayische Firmen bei der illegalen Brandrodung von Regenwald in Indonesien ertappt. In den Monaten Juli und August leiden die Bewohner vieler Teile Malaysias unter dem ätzenden Rauch, der sogar bis in die Hauptstadt Kuala Lumpur zieht. Viele Tiere – darunter geschützte, wie der Orang Utan – sterben in den Feuern.

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