Klima-Orakel
Wie viel CO2 wird durch Emissionshandel vermieden?

Leser fragen – Klima-Experten antworten. Diese Woche hat Marietta Bock aus Berlin nachgefragt, Reimund Schwarze von Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und Anita Engels vom KlimaCampus der Universität Hamburg antworten ihr.
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Anita Engels: Das hängt von zwei Bedingungen ab – nämlich ob weniger Emissionsrechte ausgeteilt werden als die Teilnehmer normalerweise benötigen würden und ob ein Kontrollsystem Betrug effektiv verhindern kann. Im EU-Emissionshandelssystem wurden in der ersten Phase (2005 bis 2007) vier Prozent mehr Emissionsrechte ausgeteilt, als die beteiligten Unternehmen im gleichen Zeitraum benötigten.

In der zweiten Phase (2008 bis 2012) sind die zugeteilten Rechte offenbar knapper; das EU-Handelssystem ist allerdings durch eine Reihe von Kontrollproblemen in die Kritik geraten. Im so genannten ‚Acid Rain Program’ der 1990er Jahre in den USA konnte der Schwefeldioxid-Ausstoß der beteiligten Unternehmen hingegen schnell und deutlich gesenkt werden, weil weniger Emissionsrechte ausgeteilt wurden als die Unternehmen normalerweise benötigt hätten und weil eine genaue Überwachung der Emissionen möglich war.

So hatten die Unternehmen einen wirtschaftlichen Anreiz, die vorhandenen technischen Verbesserungen schnell umzusetzen. Wie viel CO2 in einem weltweiten Emissionshandelssystem vermieden werden kann, ist vor allem wegen der schwach ausgeprägten Kontrollmöglichkeiten derzeit umstritten.

Reimund Schwarze:

Der Emissionshandel verbindet eine mengenmäßige Beschränkung der Emissionen mit der Handelbarkeit von Emissionsgenehmigungen. Das Ziel der Handelbarkeit von Emissionen ist die Kostensenkung. Insoweit es nur um die Handelbarkeit von Emissionsrechten geht, führt der Emissionshandel also zu keiner Emissionsminderung. Diese kommt ausschließlich durch die damit verbundene Emissionsbeschränkung.

Das europäische Emissionshandelssystem besteht seit 2005 und zerfällt in eine Lernphase (2005 bis 2007) und die erste Verpflichtungsperiode (2008 bis 2012). In der Lernphase waren die Emissionsobergrenzen für die betroffenen Industriezweige so großzügig gewählt, um die Anpassung der Betroffenen zunächst so wenig schmerzhaft wie möglich zu machen. Auf diese Weise wurden allerdings praktisch keine Emissionsminderungen erzielt.

Erst in der jetzt laufenden zweiten Phase werden deutliche Emissionsreduktionen erreicht. Die erlaubten Emissionen wurden für die dem Emissionshandel unterliegenden Industrien in der Verpflichtungsperiode um 220 Millionen Tonnen im Vergleich zu 2005 gekürzt. Das entspricht einer Minderung um etwa zehn Prozent.

Für die dritte Phase nach 2012 hat die Kommission eine weitere Emissionsminderung um 20 Prozent in Aussicht gestellt. Wenn es zu einem international verbindlichen Abkommen zur Minderung der Treibhausgasemissionen käme, wurde sogar eine Emissionsminderung von 30 Prozent versprochen. Damit würden europaweit bis 2020 weitere 400 bis 600 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

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