Klimaforschung
Wirbelstürme: Die Stärksten legen zu

Es ist ein heißes Eisen für die Klimaforscher: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die großen Stürme der Erde aus? Werden Hurrikane und Taifune häufiger oder nimmt ihre zerstörerische Kraft zu? Zumindest für die stärksten Stürme haben Wissenschaftler jetzt eine Antwort gefunden.

HEIDELBERG. New Orleans kam diesmal glimpflich davon: Hurrikan Gustav tankte auf seinem Weg von Kuba zur US-Südküste wider Erwarten weniger neue Energie als befürchtet und machte seinen Landfall etwa 100 Kilometer westlich der Metropole, die neue Verheerungen durch Wind und Wasser erwartet hatte. In der Karibik starben zwar wieder Dutzende Menschen, und es entstanden Schäden an der regionalen Infrastruktur in Milliardenhöhe, doch war Gustav kein Vergleich mit dem Sturm Katrina, der mehr als 1800 Leben forderte und mindestens 40 Milliarden US-Dollar kostete.

Schon aber reihen sich zwischen Karibik und Westafrika mit Hanna, Ike und Josephine weitere Hurrikane und tropische Stürme aneinander und bedrohen die karibischen Inseln und das amerikanischen Festland: Die Wirbelsturmsaison ist in vollem Gange – mindestens vier weitere Hurrikane erwarten Meteorologen noch im September. Wetterforscher rechnen mit einer überdurchschnittlichen Saison wie im Jahr 2005, als sich 23 benannte Stürme durch den Atlantik walzten - und den Meteorologen schließlich die Namen ausgingen, so dass vier weitere Orkane mit griechischen Zahlworten auskommen mussten.

Ob diese Vermehrung der Hurrikane und Taifune nun aber generell zum Trend wird, weil die Erde und damit die Ozeane wärmer werden, kann die Wissenschaft noch nicht sagen - im Gegenteil: Die Klimaforschung ist in dieser Frage äußerst gespalten. Theoretisch müsste ihre Zahl zunehmen, da aufgeheiztes Wasser ihre Entstehung antreibt, beziehen die Tiefdruckwirbel doch ihre gesamte Energie aus dem warmen Meer, das mindestens 26 Grad Celsius haben sollte. Größere Flächen mit Badewannentemperaturen bedeuteten denn auch ein Plus an Stürmen, so die Befürworter der These. Ganz im Gegenteil, meinen dagegen ihre Kritiker: In einer energiereicheren Atmosphäre nähmen auch Scherwinde zu, die den Hurrikan schon im Ansatz wieder zerzausen können - generelle Zunahmen in den verschiedenen Ozeanen seien deshalb keineswegs ausgemachte Sache und zahlenmäßige Schwankungen die Folge natürlicher Zyklen.

Allerdings: Einmal entstanden, können die verheerenden Winde im Zuge des Klimawandels durchaus stärker werden und zu Wirbelstürmen der höchsten Klassen 4 und 5 heranwachsen, da sie über größere Regionen hinweg mehr Dampf für ihren Antrieb gewinnen. Eine Ansicht, die unter Sturmforschern zunehmend Zustimmung gewinnt und nun von James Elsner von der Florida State University in Tallahassee und seinen Kollegen ein weiteres Mal bestätigt wird: Mit Hilfe von Satellitenaufzeichnungen seit etwa 1980 haben sie untersucht, inwiefern sich die Spitzengeschwindigkeiten von Hurrikanen in diesem Zeitraum veränderten.

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