Klimaschutz-Technologien
Mit gutem Gewissen Geld verdienen

Wissenschaftler zeichnen beim Thema Klimawandel immer neue Schreckensszenarien. Doch dort, wo für das Ökosystem Risiken lauern, bieten sich für die Wirtschaft und die Anleger auch Chancen. Allerdings ist das Investment in Solar- oder Windkraftfirmen nicht ohne Risiko, denn die Branche hängt am Tropf des Staates.

Frankfurt / Düsseldorf. Etliche Unternehmen, die Technologien zur Bekämpfung der Erderwärmung entwickeln, sind auch börsennotiert. Und da viele Anleger inzwischen ihr Umweltgewissen entdeckt haben, hat zuletzt ein wahrer Run auf die Wertpapiere von Solar- und Windkraftanlagenbauern sowie auf Klimaschutz-Zertifikate eingesetzt. Umwelttechnologien und alternative Energien hätten stark an Bedeutung gewonnen, sagt Klaus Martini, Global Chief Investment Officer der Deutschen Bank - und damit lasse sich auch gutes Geld verdienen.

Da ein großer Teil des schädlichen Treibhausgas-Ausstoßes auf die Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen zurückgeht, spielen bei klimafreundlichen Anlageformen naturgemäß die Anbieter erneuerbarer Energien eine besondere Rolle, erklärt Pavel Molchanov vom Investmenthaus Raymond James & Associates. So hat etwa der Solar-Power-Index von Dresdner Kleinwort, der die Wertentwicklung verschiedener Solar-Werte widerspiegelt, in einem Jahr um gut 100 Prozent zugelegt.

Positiv ist die Börse aber auch für Firmen gestimmt, die auf die Steigerung der Energieeffizienz hinarbeiten. Darüber hinaus richten Anleger ihr Augenmerk auch auf Finanzinstrumente wie Katastrophen-Anleihen oder Wetterderivate, mit denen Klima- und Wetterrisiken effizient verteilt werden.

Für Investoren ist das Klimaschutz-Engagement allerdings nicht ohne Risiko. Wer heute an der Börse nach möglichen Gewinnern von morgen Ausschau halte, müsse damit rechnen, dass sich das regulatorische Umfeld ständig verändere, sagt Edward Kerschner von der Citigroup. So geben sich die Regierungen etlicher Länder zwar derzeit ein grünes Profil, indem sie tief in die Staatskasse greifen und etwa die Anbieter erneuerbarer Energien massiv unterstützen. Doch sollte eines Tages der staatliche Tropf versiegen, ändern sich die Bedingungen für die Hersteller von Solar- oder Windkraftanlagen, Gezeitenkraftwerken oder Biotreibstoffen radikal. Und dies könnte sich auch an der Börse niederschlagen.

Schwer kalkulierbar ist derzeit auch, welche Möglichkeiten der Emissionshandel Investoren künftig bringen wird. In der ersten Handelsperiode, die Ende des Jahres ausläuft, profitierten wohl vor allem Anteilseigner der großen Energieversorger wie RWE und Eon. Denn obwohl die Konzerne die Emissionsrechte kostenlos zugeteilt bekamen, stellten sie sie ihren Kunden zum Marktpreis in Rechnung - was zwar den Strompreis, aber damit letztendlich auch die Unternehmensgewinne und die Aktienkurse trieb. Dagegen erhielten private oder institutionelle Anleger, die direkt an der Entwicklung des weltweiten Marktes für Emissionsrechte teilhaben wollten, einen herben Dämpfer. So ist etwa der World Emissions Excess Return Index der Schweizer Großbank UBS seit einem halben Jahr um rund 90 Prozent abgestürzt.

Investoren, die ihr Geld bei zum Emissionshandel verpflichteten Unternehmen anlegen wollen, sollten sich zudem anschauen, wie diese ihre Reduktionsverpflichtung erreichen wollen. So kann es für manche Firmen sinnvoller und billiger sein, in Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern zu investieren und sich auf diese Weise Emissionsberechtigungen gutschreiben zu lassen, statt die eigenen Anlagen durch teure Modernisierungsmaßnahmen sauberer zu machen.

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