Klimatechnik
Abwasser beheizt Büros und Wohnzimmer

Rund 5,2 Milliarden Kubikmeter Schmutzwasser fließen bundesweit pro Jahr durch die Kanalisation. Nun entdecken Investoren und Kommunen, welches Potenzial im Abwasser steckt und nutzen es als günstigen und zuverlässigen Wärmelieferanten.
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BerlinSpülst du noch oder heizt du schon? Die Ikea-Filiale in Lichtenberg setzt bei der Wärmeversorgung auf die Bevölkerung des Ostberliner Stadtteils. Wer duscht oder abwäscht, trägt dazu bei, dass im Ende vergangenen Jahres eröffneten Möbelhaus angenehme Temperaturen herrschen. Ikea betreibt hier die europaweit größte Anlage zur Nutzung von Abwasserwärme.

1,4 Millionen Liter Abwasser rauschen pro Stunde auf dem Weg zur Kläranlage unweit der Ikea-Filiale durch die Druckrohre - die Temperatur schwankt zwischen zwölf und 15 Grad Celsius. Ein Wärmetauscher entzieht dem Wasser die Energie und bringt eine Heizanlage auf 35 Grad Celsius, die Fußbodenheizungen und Deckenstrahlplatten versorgt. Im Sommer leitet das System die Wärme vom Gebäude ins Abwassernetz.

Weitere Standorte sollen folgen

Rund 1,6 Millionen Euro kostete die Anlage. Sie decke den Energiebedarf für Klimatechnik im Sommer zu 100 Prozent, sagt Ikea-Sprecherin Simone Settergren. Im Winter seien es bis zu 70 Prozent. Zudem spart die Lichtenberger Filiale bis zu 770 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ein. Andere Standorte könnten laut Settergren folgen: "Wo es sich anbietet, werden wir es machen."

Allerdings eignet sich die Technik nicht überall. Denn Rohrleitungen müssen neu verlegt und mit Wärmetauschern samt Verteiltechnik versehen werden. Auch müssen die örtlichen Wasserbetriebe mitspielen. Freilich steigt die Zahl der Kommunen, die Abwasser als Rohstoff entdecken. Ein wichtiger Vorzug: Es ist eine verlässliche Energiequelle, die Wärme auch im Winter liefert.

Rund 5,2 Milliarden Kubikmeter Schmutzwasser fließen bundesweit pro Jahr durch die Kanalisation. "Im Abwasser steckt großes Potenzial", sagt Alexander Schitkowsky. Er ist Leiter des Bereichs Industriedienstleistungen bei den Berliner Wasserbetrieben und hat das Pilotprojekt von Ikea angestoßen. Der Bedarf ist groß: "Wir haben etliche Anfragen von Projektentwicklern, die derzeit geprüft werden", sagt Schitkowsky. Ausgeschrieben wird bereits die Versorgung einer ganzjährig genutzten Schwimmhalle, deren Beckenwasser mit Kanalwärme beheizt werden soll.

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Kommentare zu " Klimatechnik: Abwasser beheizt Büros und Wohnzimmer"

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  • Muss es wirklich sein, dass das Handelsblatt solche Artikel auf mittlerem Schülerzeitungs-Niveau veröffentlicht?

    - Abwasser rauscht nicht durch "Druckrohre". Das fließt weitgehend unter dem natürlichen Gefälle und wird ggf. mit einer Schöpfanlage angehoben. Hätte der Redakteur nicht im Tran gearbeitet, hätte er das auch gemerkt: "Weitere Bedingungen: Der Kanal sollte begehbar sein".

    - "Ein Wärmetauscher entzieht dem Wasser die Energie und bringt eine Heizanlage auf 35 Grad Celsius". Um das mal auf die Füße zu stellen: Ikea betreibt eine Wärmepumpe. Die hebt das Temperaturniveau von der Abwassertemperatur auf 35°C an. Diese Wärmepumpe wird von einem Elektro- oder Gasmotor angetrieben und liefert schätzungsweise 4-5-mal so viel Wärme, als wenn man den Strom oder das Gas direkt in Wärme umwandelte. Im Sommer passiert das dann umgekehrt: Das Wasser aus den "Heizkörpern" wird abgekühlt und die Wärme an das Abwasser weitergegeben. Das kommt dann mit 30 oder 40 °C in der Kläranlage an.

    - "die Anlage [...] decke den Energiebedarf für Klimatechnik im Sommer zu 100 Prozent". Das ist Quatsch, denn die Wärmepumpe verbraucht dabei immer noch genug Strom. Richtig ist wohl eher folgendes: Ikea braucht keinen herkömmlichen Kühler für das Kühlmittel mehr. Das sind die Dinger, die bei Klimaanlagen für Einzelräume außen an der Fassade kleben. Die Wärmepumpe kann nämlich die gesamte Wärmemenge, die sie aus dem Gebäude heraus gepumpt hat, an das Abwasser abgeben. Was das physikalisch bedeutet, kapiert in der Redaktion des Handelsblattes aber vermutlich eh keiner. Sonst hätten sie diesen Artikel nicht durchgewunken.

  • Diese Technik gibt es seit langem auch für Einfamilienhäuser - 2006 wollte ich dies einbauen. Wurde nicht genehmigt - wie so vieles, was sinnvoll wäre...

  • Wie bereits im Artikel erwaehnt:Diese Technik lohnt nur in Ballungsgebieten ,und man darf nicht mehr als 200 Meter vom Rohr entfernt sein.
    Ausserdem wird unterschaetzt,dass auch jeder Haushalt theoretisch eine Waermerueckgewinnung im Winter vornehmen kann.
    Das Pfand fuer eine gefundene Pfandwertflasche zu bekommen, setzt also voraus,dass jemand anderes die Flasche achtlos weggeworfen hat!
    Waere es nicht besser geothermische energie aus dem Grundwasser zu entnehmen.
    Wenigstens gibts keine Geruchsbelaestigung im Sommer!

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