Klimawandel
Zeit zum Handeln

Es wird spannend in puncto Klimaschutz im kommenden Jahr - der Weltklimagipfel auf Bali hat nur einen ersten Vorgeschmack auf die absehbaren Auseinandersetzungen der nächsten Monate gegeben. Das Ringen um das Post-Kyoto-Abkommen hat begonnen und es gibt noch viel zu verhandeln.

BERLIN. Ende 2009 soll in Kopenhagen ein Abkommen verabschiedet werden, das an die Ende 2012 auslaufende erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls anknüpft. Bis dahin ist noch viel zu verhandeln. Eine erste Zwischenetappe auf dem Weg nach Kopenhagen markiert im Dezember 2008 die nächste Weltklimakonferenz, die im polnischen Posen stattfindet.

Die Konferenz auf Bali hat gezeigt, dass die Differenzen ganz erheblich sind. Die USA wollen sich partout nicht auf verbindliche Verpflichtungen zur Reduktion von Treibhausgasen einlassen. Die EU-Staaten dagegen - allen voran Deutschland - wollen erreichen, dass das neue Abkommen verbindliche Werte enthält: Bis 2020 sollen die Industrieländer ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 25 bis 40 Prozent reduzieren. Nur so ist es nach Überzeugung der Europäer möglich, in den kommenden Jahren den Anstieg der durchschnittlichen Temperatur auf der Erde auf unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit zu begrenzen. Die Europäer berufen sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Weltklimarats IPCC.

Als größter Erfolg von Bali gilt, dass die Amerikaner mit ins Boot geholt wurden: Sie sind bereit, bis Ende 2009 an einem Abkommen mitzuarbeiten. Bereits im kommenden Jahr wird es eine Reihe von Vorbereitungstreffen geben, die schließlich in Posen zu einem Zwischenergebnis zusammengefasst werden sollen. Bislang deutet allerdings nichts darauf hin, dass die Amerikaner ihre ablehnende Haltung gegenüber verbindlichen Reduktionspflichten, die sie als Wachstumsbremse empfinden, aufgeben. Die Klimadiplomatie steht damit auch 2008 vor schwierigen Aufgaben.

Auf der Haben-Seite des Bali-Gipfels wird die Annäherung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern verbucht. Den Industriestaaten ist es gelungen, die Entwicklungsländer davon zu überzeugen, dass Klimaschutz eine Pflicht aller Staaten ist - und nicht allein den Industriestaaten obliegt. Die Industriestaaten wollen die armen Länder mit dem Transfer von Technologie ködern. Außerdem hat die internationale Staatengemeinschaft eine Fondslösung beschlossen, die den Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas die Anpassung an die Folgen des Klimawandels erleichtern soll.

Darüber hinaus wird an Modellen gearbeitet, die die Regenwälder vor Abholzung schützen. Denn der oft illegale Holzeinschlag trägt in ganz erheblichem Maße zum Klimawandel bei: Die Rodung hat das Austrocknen der Böden zur Folge. Das führt dazu, dass in den Böden gespeicherte Mengen der Klimagase Kohlendioxid und Methan frei werden. So erklärt sich etwa, dass - wie die Grafik zeigt - in Brasilien die riesigen Waldflächen netto nicht CO2 binden, sondern im Gegenteil gigantische Mengen abgeben. In den kommenden Monaten wird es daher um die Frage gehen, wie Länder mit großen Waldbeständen dafür belohnt werden können, wenn sie ihre Wälder vor einer Abholzung schützen. Für die Industriestaaten könnte das teuer werden.

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