Kritik an Schimpansen-Kinofilm
Die Affen und die Wahrheit

Zwei Jahre lang haben Naturfilmer im afrikanischem Dschungel Schimpansen gedreht – und ungeahnte Wunder vor die Linse bekommen. Ins Kino kommt nun ein Film mit Happy End – das stößt auf Kritik.
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Leipzig/BerlinWenn am Donnerstag (9. Mai) der Disney-Naturfilm „Schimpansen“ in die deutschen Kinos kommt, wird das Publikum wahrscheinlich reagieren wie zuvor schon in den USA: Was für niedliche Tiere! Und auch noch alle echt. In Deutschland aber ist kurz vor dem Filmstart eine Mediendebatte über den Wahrheitsgehalt dieses Film entbrannt, bei dem es im Kern um die Adoption eines verwaisten Schimpansen-Jungen geht.

Das Filmlabel Disneynature vermarktet den Film als wahre Geschichte, von der Natur geschrieben. Dagegen regte sich Widerstand, zum Beispiel in der vergangenen Woche im „Spiegel“ und in der „Berliner Zeitung“. Der britische Tierfilmer Alastair Fothergill hält die ganze Diskussion für ein Problem der Auslegung des Wortes „wahr“.

„Uns war wichtig, dass der Film wissenschaftlich korrekt ist“, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Aber um die ganze Geschichte zu erzählen, mussten wir Szenen kombinieren.“ Das Team habe zwar 700 Tage im Dschungel der Elfenbeinküste gedreht – aber die Kinogeschichte erzähle einen Zeitraum von vier Jahren. Der kleine Schimpansen-Held habe allein deshalb mehrere Darsteller.

„Wir haben in einem gewissen Ausmaß konstruiert, aber es ist kein Fake“, betont Fothergill. „Das ist ja alles im Urwald so passiert“. Nur eben nicht chronologisch – und auch nicht am selben Ort, wie der Film suggeriert. Geplant gewesen sei keine Dokumentation wie fürs Fernsehen, berichtet der Naturfilmer, der viel für die BBC gearbeitet hat. „Kinobesucher wollen eine starke Geschichte und starke Charaktere. Darum ist es ein Spielfilm. Aber mit einem wahren Hintergrund.“

Der renommierte Primatenforscher Christophe Boesch vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie hat das Filmteam wissenschaftlich beraten. Seit mehr als 20 Jahren forscht er im afrikanischen Dschungel und hat richtungsweisende Studien über das Verhalten der Schimpansen veröffentlicht. Sein größtes Anliegen sei es, die bedrohten Tiere zu schützen – und ihnen eine Lobby zu verschaffen, betont er. Ein Disney-Film erreicht ein großes Publikum.

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Die Affen und die Wahrheit

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Forscher von Medienschelte überrumpelt

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  • Tierfilme von Disney - Mehr muß ich nicht sagen...
    Erfundene Geschichten, alberne Kommentare, alles auf kitschig, lieblich oder dramatisch getrimmt.
    Da schaue ich mir lieber Naturfilmproduktionen der BBC resp. des Discovery Channels an. Die Briten haben eine ganz andere Tradition des Naturfilmes.

  • Im Zoo in Hannover sind letztes Jahr einige Chimpansen ausgebrochen und durch den Zoo gestürmt. Dabei haben Sie ein Kind umgerannt und viele Besucher erschreckt/bedroht. Die Tierwärter haben in dem Artikel darauf hingewiesen, dass Chimpansen wilde Tiere sind, die NICHT als Kuscheltiere/Haustiere anzusehen sind. Aber auch das ist natürlich nicht das, was der tierliebende Zoobesucher wissen will. Es ist ja viel schöner, die Chimpansen mit dem Gedanken an die Fernsehsendungen (Daktari, Tarzan oder Charly) als niedliche Tiere zu betrachten, als sich zu fürchten.

  • "Hätte man Fakten zum Dreh nicht einfach in den Abspann schreiben können? „Das würde die Stimmung verderben“, sagt Alastair." und dann wunder sich der kinogänger wenn er in der natur einen affen streicheln möchte, wiso er sich nicht so verhält wie im kino.

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